Alice Schwarzer – Der Film: Filmkritik & Trailer – Kinostarts

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Die Journalistin und Autorin Alice Schwarzer ist DIE deutsche Ikone der Frauenbewegung. Die österreichische Regisseurin Sabine Derflinger widmet der 79-jährigen Wrestlerin nach „Die Dohnal“ nun ihren nächsten Dokumentarfilm. Im Mittelpunkt stehen historische Fernsehauftritte und aktuelle Interviews, Gespräche mit Mitstreitern und die Themen, die Schwarze Menschen ein Leben lang bewegen. Ein Kraftakt durch die Emanzipation der Frau nach 1945.

Alice Schwarzer ist DIE deutsche Ikone der Frauenbewegung, quasi ihre Verkörperung und in diesem Sinne ein ebenso wichtiges Symbol für den Kampf um Gleichberechtigung wie Johanna Dohnal in Österreich. Insofern erscheint es logisch, dass nach „Die Dohnal“ nun die österreichische Regisseurin Sabine Derflinger der deutschen Publizistin entgegentritt. Nach der Weltpremiere auf der Diagonale kommt am Freitag der Dokumentarfilm „Alice Schwarzer“ in die Kinos.

Alice Schwarzer – Der Film: Kurzzusammenfassung des Films

Der große Unterschied zwischen den beiden Werken besteht darin, dass der Welser Filmemacher im Gegensatz zum Fall Dohnal nun mit Schwarzer ein lebendes Pendant hatte. Und so dienen die Gespräche mit dem heute 79-jährigen Schwarzer als roter Faden für die Collage aus Retrospektiven, Fernsehclips und Reflexionen über die Person Alice Schwarzer von Mitstreiterinnen wie der Philosophin Elisabeth Badinter oder seiner Frau Mettina Flitner.

In Redaktionssitzungen der von ihr gegründeten „EMMA“, bei Treffen in Paris mit ehemaligen Mitstreiterinnen des französischen Mouvement de libération des femmes oder in Interviews tritt Schwarzer als starker Intellektueller mit Herz, Humor und großer Klappe auf . Sie begibt sich mit Derflinger auf Spurensuche zu ihrer Heimatstadt Wuppertal, auch wenn sie Paris als ihre wahre Heimatstadt und Deutschland als ihre Heimat definiert.

Gleichzeitig webt Derflinger in diese Gespräche die Entwicklung, die Kernkampagnen, die Meilensteine ​​der beeindruckenden Karriere des Werbetreibenden ein. Es erzählt die Vergangenheit nicht streng chronologisch, sondern konzentriert sich auf das Thema. Angefangen hat alles mit Schwarzers legendärem Fernsehgespräch mit der Autorin Esther Vilar, die 1975 mit „The Trained Man“ ein Man-Defense-Manifest veröffentlichte. Aber auch andere Meilensteine ​​auf dem Weg der Emanzipation werden gewürdigt, etwa die Kampagne gegen die sexistischen Titelbilder des „Stern“, für Abtreibung, Schwarzers Gespräche mit Romy Schneider und Marion Gräfin Dönhoff oder die Verbindung mit Simone de Beauvoir und Jean – Paul Sartre. .

Alice Schwarzer – Der Film: Kritik

Im Gegenteil, es wird immer wieder deutlich, wie sehr die Gesellschaft gekommen ist, seit Schwarzer sich spätestens mit seinem 1975 erschienenen Buch „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“, das für Aufsehen sorgte, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte. Und es wird deutlich, in welcher gesellschaftlichen Konstellation Schwarze und ihre Mitstreiter einst den Kampf aufgenommen haben. Dass sie nicht rechthaberisch ist, zeigt sich überraschenderweise immer wieder in Alice Schwarzers Gesprächen heute, wenn sie offen zugibt, „die Vorzüge der Galanterie“ auszunutzen, wie das Aufhalten der Tür oder das Wechseln eines Reifens.

„Man muss Anarchie zulassen“, verdeutlicht Schwarzer mit seinem typischen fröhlichen Lachen in Anspielung auf seine vorherige Talkshow sein eigenes Rollenverständnis. In einem langen Monolog wehrt sie sich vehement dagegen, als “Alphatier” bezeichnet zu werden, das sie ihre “EMMA”-Mitarbeiter als “Kinder” bezeichnet.

Wie die anderen in “Alice Schwarzer” bleibt diese Position unangefochten, da Derflinger als Filmemacherin wie in “Die Dohnal” kein Interesse daran hat, ihre Leads vom Sockel zu stoßen oder kritisch zu beleuchten. Die 2014 um Schwarzer entstandene Steuerhinterziehungsdebatte bleibt in der Hagiografie völlig unerwähnt, seine oft kritisierte Berichterstattung für die „Bild“-Zeitung zum Kachelmann-Prozess wird nur aus seiner Perspektive gezeigt, und auch Schwarzers Kampf gegen Prostitution und Pornografie wird nicht erweitert durch gegensätzliche Positionen. Die jüngste kritische Rezeption des in “EMMA” veröffentlichten Schreibens der Intellektuellen gegen Waffenlieferungen an die Ukraine findet sich aufgrund der zeitlichen Abfolge natürlich nicht im Werk. Am Ende bleibt ein etwas einseitiger, aber durchaus spannender Blick auf eine charismatische Frauenrechtlerin.

Alle Stationen auf einen Blick