Bezirkswahlen 2022: OP-Wahlforum Teil Vier

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Nutzer aus den verschiedenen OP-Kanälen beteiligten sich aktiv an der Diskussion am Sonntagnachmittag (8. Mai), indem sie Fragen stellten. OP-Leser Andreas Götz, der das OP-Wahlforum per Livestream verfolgte, wollte von den Kandidaten hören, was sie für die Bürgerinnen und Bürger tun wollen, um gleiche Lebensbedingungen in Stadt und Land zu schaffen. Er verwies auf steigende Mieten und einen hohen Lärmpegel.

Anna Hofmann verwies auf die Forderung der Linkspartei nach einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft, da 600 Sozialwohnungen fehlten. In Stadt und Land muss Wohnraum geschaffen werden, der barrierefrei sein muss. Außerdem sollten ländliche Räume so eingerichtet werden, dass alle dort leben können. Das müssen Kreis und Land Hessen stärker finanzieren.

Die Politik für ländliche Gebiete und Städte unterscheide sich kaum, sagt Marian Zachow. Die Mieten in der Stadt würden immer höher sein, weil unter anderem die Fahrtkosten entfallen. Wichtig sei, so die Christdemokratie, deutlich zu machen: „Wir sind eine starke Region, Städte und Gemeinden zusammen.“ Ursache für hohe Wohnkosten ist laut einer Studie der Mangel an bebaubarem Land, auch in ländlichen Gebieten. . Daher werden den Wohnungsbaugenossenschaften zusätzliche Flächen zur Verfügung gestellt.

Weil ich mich an der Hasenkopf-Debatte beteiligt habe, bekomme ich auch das Gefühl, wie schwierig es ist, in einer Stadt Wohnraum zu schaffen, sagte der Sozialdemokrat Jens Womelsdorf. Ländliche Gebiete sollten nicht gegen städtische Gebiete ausgespielt werden, da sie miteinander verflochten sind. Da Wohnraum auch ein gesellschaftliches Thema ist, müssen sich Wohnungsbauträger mit Hilfe des Landkreises aktiv einbringen.

Carola Carius meint, in unserer Region sei das nicht anders, aber die Mieten seien ein großes Problem. Der Kandidat der Grünen wirbt für das Nachdenken über Regeln und Vorschriften. Und da eine weitere Bodenversiegelung vermieden werden soll, sollten Gebäude auch um ein Stockwerk aufgestockt werden können, um Wohnraum zu schaffen, führte er als Beispiel an.

Weil die Situation die Mieten in Stadt und Land in die Höhe treibe, “brauchen wir mehr Wohnraum, mehr Wohnungen”, sagt der Freidemokrat Thomas Riedel, der die genannten guten Ideen nicht wiederholen wollte.

DR Frank Michler sieht die Situation genauso wie meine Vorredner. Allerdings ist der Immobilienmarkt auch vor Ort aufgebläht, weil die Europäische Zentralbank viel Geld in den Markt gepumpt hat. Das bedeutet auch, dass es jungen Familien schwer fällt, sich etwas zu leisten.

„Wie intensiv arbeiten Stadt Marburg und Landkreis diesbezüglich zusammen?“, fragte Moderator Carsten Beckmann.

„Sehr intensiv“, antwortete Erster Bezirksrat Marian Zachow. Auch die Stadt Marburg ist an einer Bebauung des Speckgürtels interessiert. Sie wollen, so der CDU-Kandidat, Gebiete jenseits der Stadtgrenzen erschließen, damit die Preise sinken.

Veto von Carius und Womelsdorf

Das Veto von Carola Carius richtete sich gegen die Erklärung der engen Zusammenarbeit, dass dies in Bezug auf Radwege fragwürdig sei. Beispiel für Werke von Behring. Der genehmigte Radweg zum Standort sei sehr gefährlich und unattraktiv, sagt der Grünen-Kandidat. Auch die Anbindung an die Peripherie ist nicht zu Ende gedacht.

Auch Jens Womelsdorf legte sein Veto ein. Die Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Stadt sei sehr intensiv, machte der Sozialdemokrat am Beispiel der Beltershäuser Straße deutlich. Auch bei der Planung des Radverkehrs gibt es eine enge Abstimmung, doch der Übergang zwischen Stadt und Land ist teilweise schwierig zu gestalten.

Bei der Zusammenarbeit müsse man sich an den Geschehnissen der letzten Jahre orientieren, antwortete Thomas Riedel. Der Behring-Tunnel ist nicht unbedingt die beste Idee, aber der Stadt Marburg, dem größten Devisenbringer, wird seit vielen Jahren keine Infrastruktur geboten. Stadt und Landkreis müssen zusammenarbeiten.

Was tun gegen Todesfälle in Geschäften?

OP-Leser Frank Wagner hingegen interessierte sich dafür, wie die Kandidaten dem Ladensterben entgegenwirken wollen.

Jens Womelsdorf stellte fest, dass dies nicht nur in der Oberstadt, sondern im gesamten Stadtteil ein Problem sei. Wo es zum Beispiel Kooperationen gebe, müssten sie unterstützt werden, vor allem aber erhoffe er sich eine Stärkung des Direktmarketings. Der Schlüssel dazu sei ein Bewusstseinswandel, denn das Bestellverhalten über Lieferdienste könne nur indirekt gesteuert werden, sagt der Sozialdemokrat.

Marian Zachow würde untersuchen, wie der ländliche Raum vom hybriden Handel profitieren könnte. Ein lokaler Händler könnte auch der „Showroom“ sein. Der Christdemokrat glaubt, dass der lokale Handel dann viel stärker mit Wohlfahrt und Tourismus verbunden sein wird. Und es sollte klar sein, dass die hier gekauften Produkte besser und umweltfreundlicher sind.

Auch Carola Carius möchte regionale Wertschöpfungsketten stärken, auch aus der ökologischen Landwirtschaft. Die Marburger Oberstadt muss wieder zu einem Erlebnisort werden, um ihr Image zu stärken. Um das Leben in den Dörfern wieder zu beleben, seien tatkräftige Ehrenamtliche gefragt, die bereit seien, die Arbeit zu übernehmen, sonst sei dies erfahrungsgemäß „leider nicht möglich“, so der Grünen-Kandidat.

Online-Handel plus lokale Präsenz

Der Hybrid, also Online-Handel plus Präsenz vor Ort, ist ein Zukunftsmodell, das uns helfen könnte, glaubt Thomas Riedel. Die Kaufkraft dafür liegt im Landkreis durch qualifizierte Arbeitsplätze, daher ist es wünschenswert, die Attraktivität Marburgs zu steigern. In Kleinstädten ist es ein Problem, Betriebe am Leben zu erhalten, in Mittelstädten sollte es möglich sein.

Zachow sagte: „Wer einen Bäcker in der Nähe haben möchte, sollte seine Bagels nicht nachts beim Discounter kaufen.“

Direktmarketing spreche den gehobenen Mittelstand an, der es sich leisten könne, konterte Anne Hofmann. Es sollte versucht werden, Orte mit Markttreffpunkten zu revitalisieren. Dafür könnte der Landkreis bei Städten und Gemeinden werben.

Dazu sagte Dr. Frank Michler, was massiv zu Ladenschließungen und zerstörten Lebensgrundlagen geführt habe, seien Lockdowns, 3G- und 2G-Regeln. Arbeitet die Politik nun daran, im Herbst wieder eine Impfpflicht einzuführen, ist zu befürchten, dass es zu einer Rückkehr zu Ausgangsbeschränkungen und Maskenwahn kommt. Andererseits wird er sich als Landrat mit aller Kraft dagegen wehren.

Von Gianfranco Fain