Bond-Film mit Dinosauriern und ökologischer Botschaft

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“Dinosaurier sind unter uns.” Mit dieser Zeile aus einer Wochenschau beginnt der neuste Film der fast 30-jährigen Jurassic-Park-Filmreihe. Die uralten Eidechsen haben sich diesmal auf der ganzen Welt verbreitet. Das macht die Szenen spektakulär. Flugsaurier, die in Wolkenkratzern nisten, oder pflanzenfressende Dinosaurier, die zu Pferd laufen.

In gewisser Weise ist der Film ein Treffen der Generationen. Jeff Goldblum, Sam Neill und Laura Dern aus den alten Jurassic-Park-Filmen gesellen sich zu Chris Pratt und Bryce Dallas Howard aus der neuen Jurassic-World-Reihe. Auch die Botschaft des Films ist diesmal größer. Es geht um den Menschen und seinen Eingriff in die Natur.

Es gelingt zumindest annähernd. Das liegt aber auch daran, dass die Hauptfiguren aus dem ersten Teil von 1993 dabei sind. Jeff Goldblum, der den Mathematiker Ian Malcolm spielt, liefert immer noch zuverlässig clevere Hinweise. Er kommentiert, dass Chris Pratt einen Velociraptor zu human behandelt. Der immer noch einsame Paläontologe Alan Grant (Sam Neill) gräbt in der Wüste von Utah nach alten Knochen. Wissenschaftlerin Ellie Sattler (Laura Dern) beschäftigt sich nun mit nachhaltiger Landwirtschaft und geht einer mysteriösen Heuschreckenplage auf den Grund. Dies plagt den amerikanischen Mittleren Westen und wird wichtig werden.

Der Fokus der Handlung liegt wieder auf dem Raptor-Trainer Owen Grady (Chris Pratt) und der ehemaligen Direktorin des zweiten Jurassic Park Claire Dearing (Bryce Dallas Howard). Beide haben die Vormundschaft für die 14-jährige Maisie Lockwood (Isabella Sermon) übernommen. Sie wiederum ist die Enkelin des Mitbegründers des ersten Dinosaurierparks. Und sie trägt ein weitreichendes Erbe in sich: Wie sich am Ende des letzten „Jurassic World“-Films herausstellte, ist Maisie die geklonte Tochter des extrem wohlhabenden Benjamin Lockwood. Die ursprüngliche Tochter war jung gestorben, was der ehemalige Parkmanager nicht ertragen konnte. Aber wenn Sie Dinosaurier klonen und zum Leben erwecken können, können Sie dasselbe auch mit Menschen tun. Maisies Geschichte ist nicht wirklich logisch. In einer Welt, in der Dinosaurier durch die Straßen streifen, ist das zweitrangig.

Abgesehen von diesen kleinen Handlungsschwächen schafft es der Film, zwei Stunden lang spannend zu bleiben. Die Special Effects sind wieder herausragend und entschädigen so für die kürzeren Laufzeiten, die sich vor allem gegen Ende bemerkbar machen.

“A New Era” weicht in Teilen von den alten “Jurassic Park”-Traditionen ab. Dann spielen die Dinosaurier sozusagen die zweite Geige, etwa wenn Owen Grady es mit herumschleichenden Schwarzmarkt-Gangstern zu tun hat, die Dinosaurier-Eier verkaufen. Dann wird das alles ein bisschen wie in einem „Bond“-Film mit Dinosauriern als Bonus. Auch die Kulisse tut ihr Übriges, um dieses Gefühl zu verstärken, inklusive Verfolgungsjagden durch die engen maltesischen Gassen.

Dinosaurierrefugium in den Dolomiten

Später nimmt der Film jedoch noch einmal eine Wendung. Denn auch diesmal wurde ein hochmoderner und hochtechnologischer Park gebaut, bei dem man sich fragt, woran der Grund für sein Scheitern liegen soll.

Diesmal haben die Parkbetreiber jedoch keine Angst vor einer Touristenattraktion. Große Eidechsen werden eingesammelt, verschifft und in das sogenannte Sanctuary gebracht. Abgeschirmt vom Rest der Welt liegt dieses Refugium in den Dolomiten. Die Betreibergesellschaft Biosyn ist die weltweit größte auf dem Gebiet der Gentechnik in der fiktiven Welt von „Jurassic World“.

Bisher spielte die Gentechnik im Film eine untergeordnete Rolle. Obwohl immer klar war, dass die Dinosaurier erst dann zum Leben erweckt wurden. Doch diesmal will die Betreibergesellschaft die Technik auch als Waffe einsetzen. Auch die Geschichte um den Park ist nun außer Frage. Jetzt geht es um gentechnisch veränderte Lebensmittel und das verrückte Geschäft damit. “Jurassic World: A New Age” zieht eine schöne Parallele zu den Problemen der Menschheit. Es ist kein Zufall, dass der Anführer von Dino Sanctuary und CEO von Biosyn als Silicon-Valley-Chef auftritt.

Diesmal müssen Dinosaurier also bildlich für menschliche Eingriffe in die Natur und die damit einhergehenden, oft irreversiblen Veränderungen in unseren Ökosystemen herhalten. „Wir müssen lernen, mit den Dinosauriern zu leben“, hieß es einmal in dem Film. Die Rückkehr der Dinosaurier ist auch ein Bild dessen, was der Mensch entfesselt hat. Vielleicht könnte diese Geschichte ein weiteres Kapitel gebrauchen. Regisseur Colin Trevorrow hätte nichts dagegen. „Ehrlich gesagt hoffe ich, dass es da draußen einen jungen Menschen mit einer Vision gibt“, sagte er kürzlich in einem Interview. “Dann soll er es mir bringen und wir machen einen weiteren Film.”