EU-Unterhändler einigen sich auf Geschlechterquote für Aufsichtsräte | Nachrichten

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BRSSEL (dpa-AFX) – Nach jahrelangem Stillstand haben sich Verhandlungsführer aus EU-Staaten und dem EU-Parlament auf verbindliche Frauenquoten in der EU für Führungspositionen in börsennotierten Unternehmen geeinigt. Konkret sollen Staaten bis 2026 zwischen zwei Modellen wählen können. Mindestens 40 Prozent der nicht geschäftsführenden Aufsichtsratsmitglieder müssen Frauen sein, wie EU-Parlamentsvizepräsidentin Evelyn Regner am Dienstagabend mitteilte. Die andere Möglichkeit besteht darin, einen durchschnittlichen Frauenanteil von 33 Prozent für Aufsichtsräte und Vorstände zu erreichen. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss zahlen.

Eine solche Vorgabe sei längst überfällig: „Nach Schätzungen des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen sind derzeit nur 30,6 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder Frauen und nur 8,5 Prozent der Aufsichtsratsvorstände in der EU Frauen“, sagte der Sozialdemokrat war Chefunterhändler bei den Verhandlungen.

Das Projekt ist geschlechtsneutral. Mit anderen Worten: Wenn in einem relevanten Gremium mehr Frauen als Männer sitzen, profitieren auch Männer von der Regulierung. Formal müssen die EU-Staaten und das Europäische Parlament dem Abkommen noch zustimmen.

Ausschlaggebend für die jetzt erzielte Einigung war auch der Regierungswechsel in Deutschland. Unter Altkanzler Angela Merkel (CDU) Deutschland steht einer Einigung noch immer im Weg. Die EU-Kommission hat vor rund zehn Jahren versucht, verbindliche Regeln einzuführen. Unter der damaligen EU-Justizkommissarin Viviane Reding gab es eine entsprechende Initiative, die auch von der Merkel-Bundesregierung abgelehnt wurde. Damals waren nur 15,6 Prozent der Aufsichtsräte in Deutschland Frauen.

Das Projekt wurde Anfang des Jahres, also kurz nach der Vereidigung der neuen Bundesregierung, von Kommissionschefin Ursula von der Leyen ins Leben gerufen.

– wieder auf die Tagesordnung setzen. wie die deutsche Regierung

hatte damals Merkels Vorhaben blockiert, die CDU-Politikerin war Arbeitsministerin.

In Deutschland gibt es seit 2015 eine Frauenquote für Aufsichtsräte: 30 Prozent bei besonders großen Unternehmen. Zudem einigte sich die ehemalige Große Koalition aus Union und SPD im vergangenen Jahr auf eine Quote für Vorstandsmitglieder. Es wird jedoch kritisiert, dass Unternehmen diese Gebühr vermeiden können, indem sie eine Europäische Aktiengesellschaft werden./mjm/DP/he