Félix Kroos vor dem Amateur-Comeback: „Ich habe meinen Teamkollegen gesagt, dass ich nur helfen wollte“

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Felix Kroos vor der Rückkehr in den Amateurfußball

“Ich habe meinen Teamkollegen gesagt, dass ich nur helfen wollte”


Mi 11.05.22 | 19:51 | Aus Shea Westoff

Felix Kroos
Bild: imago Bilder/Fotoautomat

Der frühere Gewerkschafter Felix Kroos feiert am Sonntag seine Rückkehr als Amateurfußballer in die achte Liga. Bei Fortuna Pankow trifft er auf Schwarz-Weiß Spandau (ab 14 Uhr im rbb | 24 Live-Übertragung). Im Interview erklärt er, warum er sich für Fans entschieden hat.

rbb | 24: Herr Kroos, am Sonntag geht es los, Sie stehen für den Kreisligisten Fortuna Pankow im Heimspiel gegen Tabellennachbar Schwarz-Weiss Spandau auf dem Feld (ab 14 Uhr im rbb | 24 Livestream, kommentiert von Bruder Toni Kroos). Wie denkst du über dieses Spiel?

Felix Kroos: Im Moment ist es etwas seltsam, weil es ein Jahr her ist, seit ich mein letztes Pflichtspiel gespielt habe. Das war ein paar Ligen höher (Hinweis: Für Eintracht Braunschweig in der 2. Bundesliga). Aber dieses Gefühl jetzt wieder zu erleben, ein so umkämpftes Spiel zu spielen, bei dem es um Punkte geht, darauf freue ich mich. Ich habe letzte Woche trainiert und merke, dass ich wieder das typische Gefühl vor einem Spiel habe. Ich bin gespannt, denn es wird auch für mich eine neue Erfahrung, denn ich gehe davon aus, dass die meisten Augen auf mich gerichtet sein werden.

Welche Rolle wirst du auf dem Platz spielen?

Ich schätze, ich werde das Team führen. Ich bin auch optimistisch, dass ich der Mannschaft helfen und sie zum Sieg führen kann.

Sie bilden sich ein, dass Ihre Mitspieler Sie respektieren. Wie erleben Sie das selbst?

Wichtig war, dass ich letzte Woche mit den Jungs trainiert habe, damit sie sich ein Bild von mir und ich von den Jungs machen konnten. Ich denke, sie haben schnell gemerkt, dass sie keinen Respekt haben müssen, ich bin nur ein Teamkollege. Sicher, meine Geschichte ist schwer zu verbergen. Aber wir wollen alle gemeinsam das Spiel gewinnen.

Was haben Sie mit Ihren Mitspielern besprochen?

Ich habe meinen Teamkollegen gesagt, dass sie immer andeuten können, dass ich nur helfen möchte. Im Training habe ich natürlich gemerkt, dass Gewohnheiten aus jahrelangem Profifußball in der Bezirksliga vielleicht nicht so einfach umzusetzen sind: Wenn man den Ball spielt, sieht man ihn vielleicht erstmal nicht wieder. Aber im Grunde soll jeder Spaß haben, ich habe keine großen Ansprüche.

Als sein Wechsel nach Pankow öffentlich wurde, kündigte er an, sich dort nicht nur fit halten zu wollen, sondern sich mehr Aufmerksamkeit für den Breitensport zu wünschen.

Das war damals der Grundgedanke, zu fragen: Wie können wir (Hinweis: Felix Kroos mit seinem älteren Bruder Toni Kroos, der derzeit einen Vertrag bei Real Madrid hat) Amateurfußball helfen, woher kommen alle Fußballer? Wir haben diese Idee mit der Idee eines Comebacks nach meiner aktiven Karriere verbunden. Dann starten wir die Challenge. Und das Interesse war wirklich so groß, dass es schwierig war, den Gewinner zu küren. Alle Vereine haben sich wirklich sehr viel Mühe gegeben. Die Grundidee war, dem Amateurfußball eine weitere Bühne zu bieten.

Du warst einfach auf dem Feld und es war dir egal, was als nächstes passierte. Dieses Gefühl beizubehalten ist nicht einfach, wenn man älter wird.

Felix Kroos

Welche Rolle spielt der Amateurfußball in Deutschland und was verbinden Sie persönlich damit, wenn Sie auf Ihre Kindheit beim Greifswalder SC zurückblicken?

Du hast den Ball genommen, bist losgelaufen, hast es versucht und nicht darüber nachgedacht. So fing alles an. Du findest deinen Verein, wo du aufgewachsen bist und spielst einfach damit. Du warst einfach auf dem Feld und es war dir egal, was als nächstes passierte. Dieses Gefühl aufrechtzuerhalten ist im Alter sicherlich nicht einfach. Aber Sie sollten sich immer daran erinnern, wie Sie angefangen haben.

Als er das Ende seiner Profifußballkarriere verkündete, warf er ein kritisches Licht auf das Geschäft und sprach von den körperlichen und seelischen Spuren, die es hinterlassen habe. Wie sehen Sie es ein Jahr später?

Natürlich kommt die Physis nicht zu kurz, wenn man schon so lange Leistungssport betreibt, das beklage ich auch nicht. Mental kam es mir so vor, als ginge es zu oft um Dinge außerhalb des Fußballspielens. Es gab zu viele Nebenschauplätze. Das hat dich auch müde gemacht. Der eine lässt es mehr auf sich wirken, der andere weniger. Aber dafür habe ich mich schon gekümmert. Aber natürlich habe ich immer wieder betont, dass ich dem Fußball große Dankbarkeit empfinde.

Was sollte sich Ihrer Meinung nach im Profifußball ändern?

Jeder geht anders damit um. Für mich stand immer der Teamgedanke im Vordergrund. Ich war berührt, als du das Gefühl hattest, dass jeder näher bei sich ist und Hauptsache, du siehst gut aus und kannst dich gut in Szene setzen. Ich denke, es ist im Laufe der Jahre immer mehr geworden. Aber ich muss meine Zeit bei Union Berlin komplett ausklammern, weil das Leben dort einfach anders ist. Viele Vereine behaupten, eine Familie zu sein, aber in der Realität wird dies manchmal weniger gelebt. Aber bei Union war es tatsächlich so, dass es eine tolle Community war. Das war auch der Grund, warum es mein Verein geworden ist und ich mich voll und ganz damit identifizieren kann.

Anfang des Monats trat er jedoch von seinem Posten als Co-Trainer bei Union Berlin zurück. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Das war eine persönliche Entscheidung. Es sei von Anfang an kommuniziert worden, dass es sich um eine Probezeit handele, er habe keine Erfahrung als Trainer. Dann habe ich gemerkt, dass das zumindest kurz- und mittelfristig nichts für mich ist und ich mich lieber auf andere Dinge konzentriere und diese intensiver mache. Und ich wollte mich mehr auf meine Familie konzentrieren, die damals fehlte. Deshalb war ich konsequent in meiner Entscheidung, die Arbeit ruhen zu lassen.

Sie und Ihr Bruder Toni Kroos, der das Spiel Pankow vs. Spandau live beim rbb, im vergangenen Jahr schmiedeten sie den Plan, wieder in den Amateurfußball zurückzukehren. Hast du Angst vor ihren Kommentaren?

Nein, davor habe ich schon lange keine Angst mehr. Umgekehrt habe ich auch seine Spiele kommentiert, die etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, zum Beispiel gegen den FC Barcelona. Ich bin ziemlich aufgeregt, weil es für Toni und mich eine Erfahrung ist, die wir so noch nicht hatten. Wir sind beide gespannt, wie der Tag wird und freuen uns darauf.

Shea Westhoff führte das Interview für rbb Sport.

Ausstrahlung: rbb24 Inforadio, 11.05.2022, 17:15 Uhr

Gepostet von Shea Westhoff