Film “Das Licht, aus dem Träume gemacht sind”: Kinder des Kinos – Kultur

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Film “Das Licht, aus dem Träume gemacht sind”: Kinder des Kinos – Kultur

Beleuchtung! Die Farben! Die Musik! Der Rausch der Bewegung! Es ist Liebe auf den ersten Blick, als der neunjährige Samay aus ärmlichen Verhältnissen in einem abgelegenen Dorf in Indien zum ersten Mal Kino erlebt. Er beschließt sofort, das Kino zu seinem Beruf zu machen. Wohin Sie auch gehen, sitzen und stehen, fortan die Magie des Lichts erkunden, die Sonnenstrahlen mit den Händen einfangen und Schattenspiele an die Wand werfen, die Welt durch zerbrochenes farbiges Glas betrachten und die Lichtbrechung beobachten. „Ich möchte Licht verstehen“, sagt er, „denn aus Licht werden Geschichten und aus Geschichten Filme.“ Doch sein Vater, ein strengreligiöser Brahmane, hat wenig Verständnis für die neue Leidenschaft seines Sohnes: „Die Welt des Kinos ist unanständig und verstößt gegen alle unsere Werte“, kritisierte er, „hast du schon mal gehört, dass der Sohn eines Brahmanen so schändlich wirkt Verhalten? Arbeit könnte?”

Samay ist der Seelenverwandte der kleinen Billie Elliott. So wie sie vor gut zwanzig Jahren ihre Tanzleidenschaft gegen die Männlichkeit britischer Bergleute verteidigen musste, muss Samay heute ihren Lebenstraum gegen die Anti-Image-Traditionen ihres Vaters durchsetzen. Danach schleicht er sich nach der Schule ins nächste Großstadtkino. Er freundet sich mit dem Filmvorführer Fazal an. Sie tauscht bereitwillig das Mittagessen, das ihre Mutter liebevoll zubereitet, gegen die Möglichkeit ein, sich Filme durch das Fenster des Vorführraums anzusehen. Fazal führt ihn auch in die Geheimnisse der kinematografischen Projektion ein, in das Spiel von Licht und Dunkelheit, von Bewegung und Stillstand.

"Das Licht, aus dem Träume gemacht sind": Samay tauscht die köstlichen Mahlzeiten ihrer Mutter gegen eine Kinokarte.

Samay tauscht die köstlichen Mahlzeiten ihrer Mutter gegen eine Kinokarte.

(Foto: Neue Visionen)

Samay gibt ihre Begeisterung für das Kino bald an ihre Freunde weiter. Die Jungs entdecken das Lagerhaus, das die Filmrollen im ganzen Land verteilt, und stehlen einige, was in den Kinos für Aufruhr sorgt, wenn der Film in den aufregendsten Momenten unterbrochen wird. Es ist ein herzerwärmender Anblick, wenn sich die Kinder ins Gras legen, die Filmstreifen zwischen die Finger schieben und sie gegen das Sonnenlicht halten. Dann bauen sie aus Schrottteilen einen behelfsmäßigen Stummfilmprojektor und veranstalten eine Vorführung für die gesamte Community. Die Kinder spielen den Sound live mit den Tricks klassischer Geräuschemacher. Das Trommeln kleiner Händchen auf der Brust wird zum Stampfen von Pferden, sie simulieren den Wind, der in eine Engstelle bläst, das Klirren von Schlüsseln und das Tropfen von Kieselsteinen werden zu Schätzen, und wie in einem Kasperlespiel warnen sie vor dem Bösen und machen Mut. die guten Ein weiterer Schlag sind die Kinderdarsteller, die alle zum ersten Mal vor der Kamera ihren natürlichen Charme ausstrahlen, allen voran Bhavin Rabari als jugendliches Alter Ego des Regisseurs. Pan Nalins dokumentarischer Sinn blitzt immer auf und verhindert, dass der Film kitschig oder sentimental wird.

Das Glück des Erzählens erlebte der Regisseur selbst in seiner Jugend.

Viele Filmregisseure haben vom Kino als Lebensader und Sinnquelle gesprochen, als Ausweg aus Armut und Verzweiflung: wie Giuseppe Tornatore in “Cinema Paradiso” und neuerdings Kenneth Branagh in “Belfast”, der indische Regisseur Pan Nalin ( “Samsara”) seine eigene filmische Einweihung, die hier offen gesagt spirituelle Dimensionen hat. Dass so direkt die Funken der Filmbegeisterung überspringen, hat viel mit der Sinnlichkeit zu tun, die er in seinen Bildern erzeugt. Das gilt nicht nur für die Lichtmagie, sondern auch für die kulinarischen Köstlichkeiten, die Samays Mutter aus buntem Reis, Gemüse und Gewürzen auf dem Boden sitzend zubereitet. In diesen Momenten erinnert “The light from which dreams are made” an die Liebesromanze, die durch den Magen geht “Lunchboxvon Ritesh Batra.

Die Hommage an das Glück des Geschichtenerzählens, das Nan Palin selbst in seiner Jugend als Sohn eines brahmanischen Teeverkäufers erlebte, wird immer wieder zur Liebeserklärung an seine indische Heimat. Gleichzeitig ist „The Light From which Dreams Are Made“ auch ein melancholischer Abschied von der klassischen Kinoprojektion. Am Ende folgt Samay dem LKW mit den alten Folienrollen, die in einer Recyclingfabrik einen neuen, farbenfrohen und glänzenden Zweck erhalten.

neuste Filmvorführung, Indien, Frankreich, USA, 2021 – Drehbuch und Regie führte Pan Nalin. Kamera: Swapnil S. Sonawane. Darsteller: Bhavin Rabari, Richa Meena, Bhavesh Shrimali, Dipen Raval. Neue Visionen, 112 Minuten. Kinostart: 12. Mai 2022.