Film über Trump-Behauptung: Fragwürdige Dokumentation, Mangel an Beweisen

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Film über Trump-Behauptung: Fragwürdige Dokumentation, Mangel an Beweisen

Stand: 06.07.2022 12:21 Uhr

Donald Trump hält an der Behauptung fest, er sei der wahre Gewinner der US-Präsidentschaftswahl. Nun soll eine Dokumentation Beweise für den mutmaßlichen Wahlbetrug liefern.

Von Sebastian Hesse, ARD Studio Washington

Obwohl es dafür noch keine Beweise gibt, sagen rund 70 Prozent aller Republikaner in den USA, dass sie davon überzeugt sind, dass die letzte Präsidentschaftswahl nicht korrekt durchgeführt wurde. Donald Trumps unbewiesene Behauptung, er sei der wahre Gewinner der Wahl, ist in seinem eigenen politischen Lager gefangen.

Sebastian Hessen

Dagegen sprechen jedoch die Fakten, Dutzende Gerichtsurteile, erfolglose Ermittlungen von Medienfreunden Trumps, Skepsis bei Trump-Kollegen wie seinem ehemaligen Generalstaatsanwalt Bill Barr.

Doch nun sorgt in den USA eine Dokumentation für Aufsehen, die angeblich massiven Wahlbetrug beweist: “2000 Mules” heißt der Film des Dokumentarfilmers Dinesh D’Souza.

„2000 Mules“ befeuert Trumps Behauptung

„Wie viele von Ihnen haben ‚2000 Mules‘ gesehen?“, fragte der ehemalige republikanische Senator David Perdue während eines Wahlkampfauftritts in Woodstock, Georgia. Fast jede Hand im Raum geht nach oben. Auch die von Elaine Guarino, die fest davon überzeugt ist, dass die Wahl ihrem Idol Trump gestohlen wurde.

Immer mehr kämen ans Licht, sagt sie. “2000 Mulas” zeigt, wie weit verbreitet Wahlbetrug war. „Sie können diesen Film nicht mit eigenen Augen sehen und trotzdem sagen, dass es keinen Wahlbetrug gegeben hat“, sagte der ehemalige Senator Perdue.

Der Dokumentarfilmer Dinesh D’Souza thematisiert in dem Film einen umstrittenen Aspekt des Wahlrechts in einigen Bundesstaaten: In Georgia beispielsweise können Briefwähler ihre ausgefüllten Stimmzettel von speziellen Kurieren abholen lassen. Diese sogenannten „Maultiere“ liefern dann die Briefwahlunterlagen in speziell vorbereitete Wahlurnen. D’Souza behauptet, dass solche „Maultiere“ die Wahlen zugunsten von Joe Biden massenhaft für Geld manipuliert haben.

„Dokumentarfilm hat vielen Augen geöffnet“

Das Video schlug bei vielen Republikanern wie eine Bombe ein, darunter auch beim Vorsitzenden der Partei im Putnam County in Georgia, Steve Arnold. Er sagt, “2000 Mules” habe in Georgia, wo ein Großteil des Films spielt, vielen die Augen geöffnet. Für seine Recherchen wertete D’Souza die Bewegungsprofile der “Maultiere” aus, Handys, Wahlpost und die Videoüberwachung der Wahlurnen.

Sein Film folgert daraus, dass Mail-In-Wahlunterlagen für Joe Biden gegen Geld systematisch an möglichst viele Postfächer verteilt wurden, um den Betrug zu verschleiern, so D’Souza in einem Podcast. D’Souza sagte, es sei der erste Film, der Wahlbetrug in einem Ausmaß demonstriere, das groß genug sei, um das Ergebnis der Wahl zu kippen.

Faktenprüfer finden falsche Behauptung

Doch Faktenchecks in vielen US-Medien haben ergeben, dass die Betrugsvorwürfe des Filmemachers unbegründet sind. Sogar republikanische Trump-Kritiker wie Gunnar Ramer vom “Republican Accountability Project” sprechen von rechter Propaganda. Der Film ist ein weiteres Beispiel für die Desinformationskampagne der Rechtsextremen, die darauf abzielt, die Legitimität der Präsidentschaft Bidens in Frage zu stellen.

Der Filmemacher ist ein alter Bekannter von Ramer: Dinesh D’Souza gehört zu den rechten Kommentatoren, die das Funktionieren des US-Wahlsystems schon lange in Zweifel ziehen.

Ob „2000 Mulas“, der landesweit in den Kinos läuft und im Streamingdienst zu sehen ist, bisherige Skeptiker tatsächlich von der Unrechtmäßigkeit der Wahl überzeugt, ist schwer zu beurteilen. Trump selbst trommelt jedoch unermüdlich für den Streifen.

Kultstreifen „2000 Mulas“: Der Erfolg der Doku verdeutlicht Trumps Wahllüge

Sebastian Hesse, ARD Washington, 07.06.2022 11:05 Uhr