FUCHS PETROLUB IM FOKUS: Hohe Rohstoffpreise dämpfen Ergebnisausblick | Nachrichten

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MANNHEIM (dpa-AFX) – Steigende Rohstoffpreise und die Folgen des Krieges in der Ukraine machen sich auch beim Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub (FUCHS PETROLUB SE Vz) bemerkbar. Für das laufende Jahr ist Firmenchef Stefan daher in seiner Ergebnisprognose etwas pessimistischer geworden. Seit Ende 2020 kennt die Aktie nur eine Richtung, und zwar nach unten. Was bei Fuchs Petrolub passiert, was die Analysten sagen und was die Aktie tut.

DAS PASSIERT BEI FUCHS PETROLUB:

Die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie ist für das Unternehmen, das rund 6.000 Mitarbeiter beschäftigt, besonders wichtig. Rund 45 Prozent des Gruppenumsatzes erzielt Fuchs Petrolub mit ihm. Der Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor sorgte auch bei Fuchs für Veränderungen. Darüber hinaus hat das Unternehmen Kunden aus Bereichen wie Maschinenbau, Metallverarbeitung, Bergbau, Luft- und Raumfahrt, Land- und Forstwirtschaft.

Auch Fuchs Petrolub kämpft mit den Folgen des russischen Krieges in der Ukraine und steigenden Rohstoffkosten. Mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen Ende April wurde der Schmierstoffhersteller in seiner Ergebnisprognose für das laufende Jahr etwas pessimistischer. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll im laufenden Jahr nur noch das untere Ende der Zielbandbreite von 360 bis 390 Mio. € und damit etwa das Vorjahresniveau erreichen. Im laufenden Jahr sollen die Umsätze hingegen von knapp 2,9 Milliarden auf 3 bis 3,3 Milliarden Euro weiter steigen.

In den ersten drei Monaten des Jahres stieg der Umsatz dank höherer Preise um fast 16 Prozent auf 808 Millionen Euro, das operative Ergebnis sank jedoch um 8 Prozent auf 93 Millionen Euro. Während das Unternehmen in der Region Nord- und Südamerika leicht mehr verdiente, ging der Gewinn in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (Emea) vor allem aufgrund der Entwicklungen in Deutschland und Südeuropa um ein Zehntel zurück. In der Region Asien-Pazifik sank das Verhältnis um 15 Prozent, was auf den geringeren Beitrag von China zurückzuführen war.

Fuchs Petrolub ist kürzlich mit einer 28-prozentigen Beteiligung an der E-Lyte Innovations GmbH in das Batteriegeschäft eingestiegen. E-Lyte entwickelt und produziert flüssige Elektrolyte, die unter anderem als Schlüsselkomponente von Lithium-Ionen-Batterien für die Elektromobilität eingesetzt werden. Insgesamt investiert das Mannheimer Unternehmen rund acht Millionen Euro in das neue Betätigungsfeld. Im nächsten Schritt soll am Standort Kaiserslautern die notwendige Produktionsinfrastruktur geschaffen werden. Die Produktion soll im Sommer 2023 beginnen.

Bei den Mannheimern steht derweil ein personeller Wechsel bevor. Die bisherige Finanzvorstandschefin Dagmar Steinert verlässt das Unternehmen und tritt Anfang 2023 die Nachfolge des langjährigen Rheinmetall-Finanzvorstands Helmut Merch an. Ab dem vierten Quartal übernimmt Isabelle Adelt die Geschäfte von Fuchs Petrolub. Derzeit verantwortet er beim Maschinenbauunternehmen Schenck Process die Bereiche Controlling, Risikomanagement und Investor Relations.

Am 28. Juni findet im Unternehmen ein Kapitalmarkttag statt. Im Fokus stehen vor allem Neuigkeiten zu Finanzzielen und Wachstumschancen sowie zur Nachhaltigkeitsstrategie.

WAS ANALYSTEN SAGEN:

Die meisten der acht von der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX aus den Quartalszahlen gelisteten Analysten äußerten sich optimistisch zu Fuchs Petrolub. Obwohl sieben Experten zum Kauf der Aktie raten, gibt es nur eine Stimme, die empfiehlt, das Papier zu behalten. Das Kursziel liegt im Schnitt bei rund 41 Euro. Aktuell kosten die Papiere knapp 29 Euro.

Laut Sebastian Bray, Analyst der Berenberg Bank, war das erste Quartal des Schmierstoffherstellers von einer besseren Kursentwicklung, aber auch höheren Betriebskosten und einem geringeren Cashflow geprägt. Für Analyst Oliver Schwarz von Warburg Research verlief das erste Quartal wie erwartet. Aufgrund des Krieges in der Ukraine, russischer Sanktionen und Schließungen in China hat das Unternehmen seine Ziele leicht reduziert. Weitere Auswirkungen dieser negativen Faktoren dürften im zweiten Quartal eintreten.

Der April war laut Stifel-Analystin Isha Sharma ein schwieriger Monat für Fuchs Petrolub, wobei die Situation im Mai unverändert blieb, insbesondere in China. Normalisiert sich die Lage, schließt das Unternehmen eine V-förmige Erholung nicht aus, die Visibilität bleibt laut dem Experten jedoch gering. Die direkte Beteiligung in Russland und der Ukraine ist begrenzt und macht zwei bis drei Prozent des Umsatzes und des Betriebsgewinns aus. Die indirekten Auswirkungen des Krieges auf die Gasversorgungs- und Wertschöpfungsketten in Europa könnten sich viel stärker auf die Kundennachfrage auswirken. Dies ist Anlass zur Sorge.

Fuchs ist zuversichtlich, hohe Rohstoffkosten und allgemeine Preiserhöhungen mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten an seine Kunden weitergeben zu können, so Sharma, Expertin bei Stifel. Allerdings sind Preisverhandlungen mit Fahrzeugherstellern aufgrund ihrer Kostensensibilität schwieriger als mit kleinen und mittleren Kunden. Fuchs hat für etwa ein Viertel des Umsatzes Preisänderungsklauseln. Diese mussten laut Sharma aufgrund der beispiellos gestiegenen Rohstoffkosten neu verhandelt werden.

Generell hält der Analyst die Kunden in der Schmierstoffindustrie für loyal. Daher geht das Unternehmen davon aus, die Preise auf hohem Niveau halten zu können. Dies sollte sich in einer höheren Rentabilität niederschlagen, sobald sich die Rohstoffkosten normalisieren.

Im laufenden Jahr dürfte das Unternehmen laut Axel Herlinghaus von der DZ Bank die stark eingeschränkte Planbarkeit der Kosten und negativen Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu spüren bekommen. In jüngerer Zeit waren Lieferketten aufgrund von Lockdowns in China gefährdet. Sobald die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen überwunden sind, soll Fuchs Petrolub endlich die Früchte seiner Investitionen von 2016 bis 2020 ernten.

WAS DIE AKTION MACHT:

Es gab schon bessere Zeiten für die Aktie des Schmierstoffherstellers. Seit dem Zwischenhoch von 49,70 Euro Anfang 2021 befinden sich die im MDax notierten Vorzugspapiere auf Talfahrt.

Nachdem Fuchs Petrolub für das laufende Jahr etwas zurückhaltender war und einen Wechsel im Finanzvorstand bekannt gab, fiel die im MDax notierte Vorzugsaktie Ende Mai auf ein Jahrestief von 26,60 Euro. Die Fuchs-Aktie hat seit Januar 2021 fast die Hälfte verloren und pendelte knapp über dem Corona-Tief vom März 2020, bevor sie sich zuletzt etwas stabilisierte. Insgesamt ist das Unternehmen derzeit mit gut 3,7 Milliarden Euro bewertet (Vorzugsaktien plus Stammaktien).

Auch Aktionäre, die schon lange in Fuchs Petrolub-Aktien investieren, haben keinen Grund zur Freude. Seit dem Allzeithoch von knapp 52 Euro im Sommer 2017 hat der Kurs 45 Prozent verloren. Seit Ende 2012 haben Anleger, die ihre Anteile gehalten haben, de facto nichts verdient./mne/ag/men/he

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