Heidelberg: Die Sanierung des Rathauses ist gerettet – Heidelberg Nachrichten

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Heidelberg: Die Sanierung des Rathauses ist gerettet – Heidelberg Nachrichten

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Die Baucontainer vor dem Haupteingang des Rathauses zeugen davon, dass im Inneren viel Arbeit steckt. Der Heidelberger „Salon“ ist seit August 2019 geschlossen. Foto: Philip Rothe

von Holger Buchwald

Heidelberg. Das sind gute Nachrichten für die Stadt Heidelberg und die „Stiftung Theater und Orchester“, der die Stadthalle gehört. Hauptspender Wolfgang Marguerre trägt auch die geschätzten Mehrkosten von fast elf Millionen Euro für die Sanierung des Veranstaltungszentrums am Neckar. Das gab der Gründer des Unternehmens Octapharma und Förderer von Heidelberg am Freitag exklusiv in einem Interview mit dem RNZ bekannt. Damit beläuft sich die Gesamtsumme ihres Engagements auf rund 44 Millionen Euro.

„Meinen ersten Walzer habe ich im Rathaus getanzt“, erinnert sich Marguerre an den Abschlussball ihrer Nuzinger Dance School. Als „Bürger Heidelbergs“, der hier geboren wurde und hier zur Schule und Universität ging, gibt er der Stadt heute gerne etwas zurück. Obwohl er seit 30 Jahren nicht mehr hier lebt und erst 2005 zurückgekehrt ist, fühlt er sich dennoch mit Heidelberg verbunden. „Ich habe das Glück, eine sehr erfolgreiche Geschäftsfrau zu sein. Und das verdanke ich der Stadt, in der ich eine so gute Ausbildung hatte“, sagt Marguerre.

902083 1 articlemedigalteaser image dd76e3c787cadda Bürgermeister Eckart Würzner (rechts) bedankt sich mit einem großen Blumenstrauß bei Wolfgang Marguerre und seiner Frau Barbara für die große Spende. Foto: Philip Rothe

Als Bürgermeister Eckart Würzner, heute 80, 2017 zusagte, die Kosten für die Sanierung des Rathauses zu übernehmen, lagen die Schätzungen noch zwischen 10 und 15 Millionen Euro. Zuletzt hatte Marguerre eine Spende von bis zu 33 Millionen Euro zugesagt. Allerdings erteilte das Regierungspräsidium Karlsruhe die lang ersehnte Baugenehmigung erst im Dezember 2021, anderthalb Jahre später als zunächst geplant. Inzwischen sind die Baukosten überall in die Höhe geschossen. Im April musste der Projektleiter Sebastian Streckel von der Bauherrengesellschaft Grundstücke und Wohnungen in Immobilien (GGH) im Haupt- und Finanzausschuss die Hiobsbotschaft verkünden: Weitere 10,9 Millionen Euro fehlten für die Sanierung des fast 120 Jahre alten Gebäudes. .

„Es ist toll, solche Leute in Heidelberg zu haben“, freut sich Oberbürgermeister Eckart Würzner über die Zusage von Marguerre, die Mehrkosten zu tragen. Nicht nur bei der Sanierung des Theaters, sondern auch in der Flüchtlingskrise 2015 hat der Mäzen der Stadt schon oft herausragende Arbeit geleistet, indem er eine Million gespendet hat und eine weitere zur Unterstützung der Heidelberger Schulen und des Einzelhandels während der Corona-Pandemie. „Dass wir nicht so früh mit dem Bau der Stadthalle beginnen konnten, hat viel Geld gekostet“, sagt Würzner. Er gibt zu, dass es ohne Marguerre schwierig gewesen wäre, dieses Loch zu stopfen.

Der Baupreisindex sei seit Anfang 2021 um 19 Prozent gestiegen, nennt Würzner einen der Gründe für den Preisanstieg. Auch das neue Technikzentrum unter dem Montpellierplatz musste mehrfach umprogrammiert werden. Einmal, um einen Baum zu retten, ein anderes Mal, um die Lüftungsschlitze zu verstopfen. Und jetzt gibt es noch die Ukraine-Krise und den Mangel an Baumaterialien.

„Mir ist klar, dass sich Projekte verzögern können“, zeigt Marguerre Verständnis. Doch nun hofft er, dass die Arbeiten schnell vorankommen: „Damit sich das Rathaus endlich wieder für seine Bürgerinnen und Bürger öffnen kann.“ Dabei ist ihm besonders wichtig, dass der seit 1903 bestehende eigentliche Zweck nicht erschüttert wird. Dass die Perkeo Society ihre pompösen Sessions durchführen kann, wie das Jugendhaus seinen Jugendtanztag durchführen kann. „Das Engagement des Stadtrates bleibt unverändert“, verspricht Marguerre. Positiver Nebeneffekt des Sanierungskonzepts sei, dass „bis zu 1000 Menschen Konzerte im großen Saal erleben können“. Das Rathaus muss jedoch für alle oben genannten Nutzungen geeignet sein. “Es wird kein Konzertsaal sein.”

„Bürger haben das Recht, Fragen zu stellen“, sagt Marguerre auf die Frage, ob sie sich über Einwände der Nachbarn oder Widerstand der Bürgerinitiative „Konzertfreunde der Stadthalle“ ärgere. Es ist nicht deine Schuld, dass die Kosten so stark gestiegen sind. Das lag eher an der Bearbeitungszeit des Regierungspräsidiums.

Die Arbeiten gehen laut Würzner nun zügig voran. Die große Basis steht, die Aufträge sind bei fast allen beteiligten Firmen platziert. Die Stadt rechnet derzeit mit der Fertigstellung im zweiten Quartal 2024 und der Inbetriebnahme im darauffolgenden Herbst. Marguerre hat keine Lust auf ein mögliches Eröffnungskonzert: “Daran denke ich noch nicht.”