In der „Langen Nacht“ geöffnete Kirchen sind Zeichen gegen die Angst

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Mehr als 300 Kirchengemeinden und christliche Gemeinschaften, Organisationen und Institutionen laden am 10. Juni zur „Langen Nacht der Kirchen“ ein. Mit einem umfangreichen Programm findet die „Lange Nacht“ nach zwei Jahren Pandemie auch dieses Jahr wieder in gewohnter Weise statt. Gleichzeitig ist die Veranstaltung vom Krieg in der Ukraine geprägt. „Unsere offenen Kirchentüren können vermitteln, dass das Vertrauen in das Evangelium Ängste abbauen kann“, ist Kardinal Christoph Schönborn in seinem Grußwort auf der Website „Lange Nacht“ (www.langenachtderkirchen.at) überzeugt.

Sie lade jeden ein, beim Besuch einer Kirche Ruhe und Stille zu erleben, um neue Kraft zu schöpfen, so der Wiener Erzbischof, damit „wir gemeinsam mit anderen im Leben die Herausforderungen der Zukunft annehmen können“. Der Apostolische Nuntius in Österreich, Msgr. Pedro López Quintana, weist darauf hin, dass eine Veranstaltung wie die „Lange Nacht“ mit mehr als 1.000 verschiedenen Themen auf dem Programm den Menschen „gerade in der aktuell schwierigen Zeit“ Hoffnung und Zuversicht geben könne. „Möge diese Nacht vom Licht Christi erleuchtet werden“, sagte der Vertreter des Vatikans in seinen Begrüßungsworten.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen macht auf die offenen Kirchentüren als Zeichen des “friedlichen Miteinanders” aufmerksam. „Der Wert des Friedens wird uns immer bewusster in dieser Zeit, in der Menschen mit wenig Hab und Gut vor einem grausamen Krieg fliehen müssen, mitten in Europa“, sagte der Bundespräsident in seinem Grußwort. In Krisenzeiten seien kirchliche Einrichtungen oft die erste Anlaufstelle für Hilfesuchende, „es werden Spenden und Hilfsgüter gesammelt und Hilfe organisiert“. Er lade alle ein, zu Gesprächen und Begegnungen in einer Kirche vorbeizuschauen, “um Altes neu zu entdecken und Neues zu entdecken”, sagte das Staatsoberhaupt.

Die „Lange Nacht der Kirchen“ findet auch dieses Jahr wieder in ökumenischem Rahmen mit Veranstaltungen in verschiedenen christlichen Kirchen statt. Für Domdekan Rudolf Prokschi, Präsident des Österreichischen Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRKÖ), soll die „Lange Nacht“ auch die Vielfalt kirchlicher Traditionen beleuchten und diese Vielfalt dazu anregen, „tiefer in den eigenen Glauben einzudringen“.

Für den Superintendenten der AB Evangelischen Kirche in Wien, Matthias Geist, ist es „ein Segen, wenn wir uns wieder zeigen können, was wir tun, denken, glauben und auch worüber wir lachen“. Mehr Offenheit und Begegnung seien nötig, so Geist, „an allen Ecken und Enden“. Die Kirchen demonstrierten dies „und öffnen ihre Türen und Gehege wieder“. Für den griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamakis) will die „Lange Nacht“ eine Begegnungsstätte in „krisengeschüttelten Zeiten“ eröffnen. Er fordert „dass wir dieses Wagnis eingehen, Grenzen und Trennendes gemeinsam überschreiten und uns immer wieder neu orientieren an dem, der auch in schwierigen Zeiten Trost, Hoffnung und wahren Frieden spenden kann“.

abwechslungsreiches Programm

An dem ökumenischen Projekt „Lange Nacht der Kirchen“ beteiligen sich in diesem Jahr die Diözesen St. Pölten, Innsbruck, Linz, Eisenstadt und Wien sowie die Diözese Brixen/Bozen in Südtirol. Insgesamt wird es mehr als 1.000 Veranstaltungen an 300 Orten geben. Der größte Teil davon fällt auf das Gebiet der Erzdiözese Wien. 150 Kirchen verschiedener Konfessionen in Wien und im östlichen Niederösterreich öffnen hier zwischen 18 und 1 Uhr morgens ihre Türen. Zahlreiche Programmpunkte behandeln das Thema Frieden und Solidarität mit den Opfern des Ukrainekrieges, teilte das Erzbistum in einer Aussendung mit. So wird beispielsweise um 19.45 Uhr in allen Kirchen das Programm für fünf Minuten unterbrochen, um in aller Stille der Kriegsgebiete dieser Welt zu gedenken.

In Tirol wollen die fünf beteiligten christlichen Konfessionen mit ihrem Programm Mut machen. Einer der Schwerpunkte liegt auf Jugend und Familie, betonten die Organisatoren kürzlich auf einer Pressekonferenz. Insgesamt bietet die „Lange Nacht“ in Tirol rund 80 Veranstaltungen in 35 teilnehmenden Kirchen, Klöstern, Kapellen und kirchlichen Einrichtungen.

Im Bistum Eisenstadt eröffnen Bischof Ägidius Zsifkovics und evangelischer Superintendent Robert Jonischkeit die „Lange Nacht der Kirchen“ mit einem Andachtsgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche in Bad Sauerbrunn. Begegnung und Miteinander stehen in diesem Jahr in den Kirchen des Burgenlandes im Mittelpunkt. „Das vielfältige und individuelle Programm unserer Kirchen ist ein lebendiges Zeichen der lokalen Kirche und Kultur, aber auch ein starkes Zeichen gelebter Ökumene“, sagt Rebecca Gerdenitsch-Schwarz, Programmkoordinatorin für das Burgenland.

In Oberösterreich wartet die „Lange Nacht“ unter anderem mit einer Kunstinstallation des oberösterreichischen „Klangkünstlers“ Peter Androsch im Mariendom in Linz auf. „Licht, Projektion, Chöre, Orgeln, Trompete, Stimme und Elektronik verwandeln den Raum in eine große Erzählung der Nächstenliebe, die den Kreistanz des Lebens umfasst“, so die Caritas OÖ, die ebenfalls ihr Jubiläum „75 (+ 1) Jahre feiert der Caritas Oberösterreich”.

Auch die Kirchen und Einrichtungen der Diözese St. Pölten bieten ein dichtes Programm. Auch die Institutionen, Klöster und Klöster vieler religiöser Orden sind mit einem abwechslungsreichen Programm vertreten.

Ökumenisches Gebet im Stephansdom

Ökumenischer Höhepunkt des Abends ist um Mitternacht ein Friedensgebet des Ökumenischen Rates der Kirchen im Wiener Stephansdom. Gemeinsam mit ÖRKÖ-Präsident Rudolf Prokschi, Thomas Hennefeld, dem evangelisch-reformierten Landessuperintendenten Matthias Geist, Superintendent der AB Evangelischen Kirche in Wien, Erzpriester Nicolae Dura, Bischofsvikar der Rumänisch-Orthodoxen Kirche und Evangelischen Superintendenten-Methodist, Stefan Schröckenfuchs, beten viele Menschen im Stephansdom um den Heiligen Geist, der Frieden schafft, so die Veranstalter.

Das komplette Programm der Langen Nacht der Kirchen gibt es online unter www.langenachtderkirchen.at und in der App „Glauben.Leben“. Auf der Facebook-Seite der Langen Nacht der Kirchen werden laufend Highlights und Tipps gepostet.

Seit 2005 ist die „Lange Nacht der Kirchen“ ein fester Bestandteil des christlichen Kirchenlebens in Österreich und zugleich das größte erfolgreiche ökumenische Projekt aller christlichen Glaubensgemeinschaften, die inzwischen im Ökumenischen Rat der Kirchen vertreten sind in Österreich. Nachdem die Veranstaltung 2020 überwiegend digital durchgeführt wurde, wird es auch in diesem Jahr wieder ein überwiegend Präsenzprogramm geben.