Insider: OPEC+ könnte Russlands Ölexportdefizit auffangen | Nachrichten

Posted on

LONDON/FRANKFURT (Reuters) – Die OPEC+ will laut einer Quelle drohende Lieferengpässe aufgrund des russischen Ölversorgungsausfalls vermeiden.

Das Exportkartell könnte sich in seinen laufenden Gesprächen mit Russland darauf einigen, andere produzierende Länder einspringen und über ihre Produktion berichten zu lassen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Donnerstag. Eine Entscheidung darüber könnte aber auch verschoben werden oder die Verluste würden nur teilweise kompensiert. Einem Pressebericht vom Mittwoch zufolge dürfte vor allem Saudi-Arabien die Produktion ausweiten.

Gleichzeitig erwarten Experten, dass die OPEC+ bei den Konsultationen am Donnerstag an ihrem bisherigen Kurs festhält, die Förderquoten für die gesamte Gruppe schrittweise zu erhöhen. “Bei dem Treffen geht es darum, das Marktvertrauen zu stärken”, sagte Naeem Aslam, Chief Market Analyst bei der Maklerfirma AvaTrade. “Ich denke, die Botschaft ist, dass sich die Welt keine Sorgen um die Ölversorgung machen muss.”

Der Westen hat Russland wegen des Einmarsches in die Ukraine mit harten Sanktionen belegt. Unter anderem hat die Europäische Union (EU) kürzlich einem weitreichenden Importstopp für russisches Öl zugestimmt. Diese Staaten müssen sich nun anderswo nach dieser Energiequelle umsehen. „Die EU scheint sich immer mehr in Westafrika umzusehen“, sagt Carsten Fritsch, Analyst bei der Commerzbank. “Nigerias Forcado Oil wird laut Händlern mit einem Aufschlag von 7 $ gegenüber Brent gehandelt.” Spekulationen über höhere Produktionsmengen einiger OPEC+-Mitglieder ließen den richtungsweisenden Preis für Nordseeöl der Sorte Brent am Donnerstag um 1,7 Prozent auf 114,28 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) fallen.

Allerdings verzögert Ungarn laut Diplomaten erneut das EU-Ölembargo. Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban fordert die Aufhebung geplanter Sanktionen gegen das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, wie drei Diplomaten am Mittwochabend erklärten. Am Mittwoch sollte das sechste EU-Sanktionspaket veröffentlicht werden. Ungarn hatte zuvor seinen Widerstand gegen ein groß angelegtes Ölembargo hinausgezögert und dafür gesorgt, dass Pipeline-Lieferungen ausgenommen waren.

(Berichterstattung von Hakan Ersen, Christian Götz und dem OPEC-Team von Reuters, bearbeitet von Christian Rüttger. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter [email protected] (für Politik und Wirtschaft) oder [email protected] .com (für Unternehmen und Marktplätze).)