Jasper Jauchs UCI MTB DH World Cup Kolumne: Leogang

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Nach Fort William erreichen wir Leogang auf einer der beständigsten Routen. Eine sich ständig weiterentwickelnde Weltcup-Tour. Und eines ist sicher: Vorsicht, bei Nässe besteht Rutschgefahr!

Im Ernst, in den letzten Jahren konnte ich kaum das Live-Bild sehen, wenn Autofahrer nach der Autobahn in den Wald abbogen. Von links nach rechts, also ich auf der Couch, Treiber im Wurzelbereich. Von oben bis unten meine Achterbahn der Gefühle und Reiter auf Wurzelteppichen. Ein solch spannender Wald könnte bald als magischer Ort in die österreichischen Geschichtsbücher eingehen.

Aber schauen wir uns zuerst das Gesamtbild an:

Beginnen Sie mit einem Hang rechts auf die Kuhwiese. Aha, hier ist deine Chance, dich in der ersten Kurve aus dem Rennen zu verabschieden. Es gibt keinen Input, kein Aufwärmen, man startet sofort mit der technischen Anforderung, die Griffgrenze genau einschätzen zu können.

MTB-Ass Laurie Greenland beim UCI Mountain Bike Downhill Event in Leogang.

Laurie Greenland kämpft im Kniebereich gegen die Schwerkraft.

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Group

Hat man den Rücken, kommt die Aufwärmphase. Ein kleiner Bikepark, gespickt mit Steinen und immer wieder neuen Kurven abseits der ausgetretenen Pfade. Ein zweiter kleiner Tunnel ist die Eintrittskarte zur nächsten technischen Prüfung.

Es begann abrupt in einem Feld mit unglaublich überhängenden Lochwurzeln, die mit einer Rechtskurve gestylt werden müssen. Wer das kann, hat es schon gut gemacht. Leider ist das Ziel weit ausser Sicht…

MTB-Ass Marine Cabirou auf dem Dwonhill Evnet Mountainbike in Leogang.

Marine Cabirou schwebt durch den “Forest of Fame”.

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Group

Es folgt die folgende grundsätzliche Angelegenheit. Es braucht Präzision, Geschick auf den Bremsen und viel Vertrauen in die Reifen, um an dieser Schlüsselstelle zu punkten.

“Warum ist es ein Schlüsselpunkt, wenn es Wurzeln gibt und es überall schwer ist?” Gute Frage, John Doe! Der steile Wurzelkurs führt zur Autobahn, daher ist frühes Tempo entscheidend, um auf der elend langen Geraden mit großen Sprüngen Zeit aufzuholen. Fehlt der Schwung, sinken die Sekunden förmlich auf die Zwischenzeit.

Es hat keinen Zweck, hier zu treten, das hat Aaron Gwin Das bewies er 2015, als ihm beim Start eine Kette riss und er das Rennen dennoch gewinnen konnte. Es braucht Schwung, Aerodynamik und springende Perfektion, um hier der Schnellste zu sein.

4 Minuten

Aaron Gwin gewinnt das Leogang-Rennen 2015 ohne Kette!

Sehen Sie sich den Siegeslauf von Aaron Gwin beim Downhill World Cup in Leogang, Österreich, an.

Für Fahrer bietet dieses Teil aber auch einen kleinen Vorteil, denn es ist eine kleine, aber feine Erholung der Muskulatur, bevor das Astronauten-Zentrifugentraining beginnt. Die beiden Mercedes-Benz Wallrides fahren mit einer geschätzten Geschwindigkeit von 50-60 km/h. Das Blut läuft für einen Moment an den Beinen herunter, obwohl es eigentlich im Kopf gebraucht wird.

MTB-Ass Loic Bruni beim Leoganger Downhill-Mountainbike-Event.

So klein wie möglich dreht Loic Bruni dem Wind den Rücken zu.

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Group

Das nächste Wurzelfeld im Wald, liebevoll „Valis Hölle“ genannt, ist das wohl dramatischste Wurzelfeld der WM-Geschichte. Steil, lang, überhängend und bei Regen unglaublich schlammig. Dramen für Hollywood sind in dieser Sparte schon geboren, denkt man an den Crack von Loic Bruni, der bis dahin der Anführer war.

Abseits des Rennzirkus habe ich mich dort einmal getraut. Leute, das Wort „gewagt“ wurde in diesem Zusammenhang bewusst gewählt.

MTB-Ass Aaron Gwin beim Leoganger Downhill-Mountainbike-Event.

Aaron Gwin gleitet akrobatisch durch die Hölle des Skicircus Vallis.

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Group

Aber hey, danach hast du endlich das Ziel erreicht… Wirklich? Leider nicht. Sie haben durchaus Grund zum Aufatmen, aber: „To finish first, you have to finish first.“ Leider lernte Vali Höll das auf dramatische Weise, denn er stürzte auf dem Weg zum verdienten Heimsieg in der letzten Kurve.

Die Strecke bleibt von oben bis unten eine wahre Gratwanderung. Wie der Kampf zwischen Valis Hölle Y Nina Hoffmanndie beiden Favoriten für das Rennen im Salzburger Land.
Vali Höll hat hier noch Rechnungen offen und ist mit seiner deutlich positiveren Mentalität als im Vorjahr auf dem richtigen Weg. Nina hat auch mit ihrem neuen Team im Rücken und ihrem ersten Sieg im Jahr 2022 in Fort Bill noch einmal nachgelegt. Camila Balanche er hat hier schon bewiesen, dass er Nerven aus Stahl und ein Griffgefühl wie Spiderman hat.

Für Männer ist noch fast alles offen. Und genau deshalb überlasse ich es Ihnen, Ihre Favoriten festzulegen.

Camille Balanche, Vali Höll und Monika Hrastnik auf dem Podium nach der Mercedes-Benz UCI DH World Cup Runde 1 in Leogang, Österreich am 12. Juni 2021.

Hätten Sie gerne eine Dusche? Besser Champagner als Regen, da sind sich alle einig.

© Bartek Wolinski/@wolisphoto

Angenommen, Peter, der Wettergott, ist gnädig und sorgt für trockene Streckenverhältnisse.

Die Wahl des Reifens ist hoher Grip am Vorderrad und geringer Rollwiderstand am Hinterrad. Präzises Lenkverhalten und Kontrolle sind beim Überqueren von Wurzelmatten unerlässlich. Das Hinterrad neigt zum Ziehen und lässt sich im Falle eines Schleuderns besser kontrollieren. Hier können Sie also von einem niedrigeren Profil und einer härteren Gummimischung für die Autobahn profitieren.

Das Fahrwerk fährt sich vorne etwas härter und hinten etwas weicher. Große Stufen, meist steiles Gelände, brauchen eine hohe und stabile Front.

Das Rennen wird nicht nur in Vali’s Hell gewonnen. Der Mix aus Bikepark, Jumps und Roots muss als Ganzes perfekt vollendet werden. Das Problem: Die leichteren Passagen wie Freeway- und Bikepark-Abschnitte sind dem Flow des Bikes angepasst und haben guten Grip. Um sich hier einen Vorteil zu verschaffen, müssen Sie eines Ihrer sieben Katzenleben ins Spiel bringen.

MTB-Ass Gee Atherton mit maximaler Traktion beim Downhill-Mountainbike-Event 2021 in Leogang.

Gee Atherton mit maximaler Traktion.

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Group

So ist es wohl eher die Kunst des Gleitens, die den Sieg auszeichnet. Fahrfehler in Wurzeln und matschigen Kurven kosten wertvolle Zeit. Daher ist es wichtig, das Ziel ohne Fehler zu erreichen und ohne das Limit zu überschreiten.

Die Wahl der Reifen fällt eher auf maximalen Grip. Auf nassen Wurzeln und schlammigen Böden dominieren dicke Stollen und weiche Gummimischungen. Das Chassis wird etwas weicher sein, damit die Leistungsspitzen beim Überfahren der Wurzeln niedrig gehalten werden, damit Sie beim Rollen nicht ausrutschen.

Tricks wie Roll-Offs an der Brille und ein verlängertes Visier sorgen für klare Sicht bis zur Ziellinie. Wenn Sie also jemals ein Glas an der Vorderseite Ihres Helmvisiers kleben sehen, ist es da, um zu verhindern, dass Regen auf das Glas fällt.

Eine Griffbrille am Ende der Autobahn zeigt den Sog eines Roll-Offs, ein Plastikstreifen, der gezogen wird und vorherigen Schmutz entfernt.

Der Radfahrer fliegt beim Mountainbike Downhill Event in Leogang 2021 durch die Lüfte.

Epische Flugphasen bei bestem Wetter sind dennoch wünschenswert.

© Bartek Wolinski / Red Bull Content Group

Das Training und die Nachbesprechung vor dem Rennen werden wahrscheinlich viele Fahrer auf der Strecke zeigen und beobachten. Sie suchen nach der perfekten Linie, besonders nach deiner perfekten Linie. Denn persönliche Stärken müssen in den verschiedenen Wurzelpassagen ausgenutzt werden, um Vorteile zu erzielen. Das ist spannend, weil die kürzeste Linie in diesem Fall nicht unbedingt die schnellste Linie ist. Viele Variationen könnten den Livestream am Samstag richtig spannend machen.

Da werde ich sicher etwas für meine Nerven mitnehmen, denn mit einer guten Tüte Chips werden Freude und geballte Emotion viel besser vertragen.

In diesem Sinne viel Applaus und bis zum nächsten Inside-Lines.

Samstag ab 12:25 Uhr: Das Damen-Abfahrtsfinale in Leogang live auf Red Bull TV

Samstag ab 13:45 Uhr: DH-Finale der Herren in Leogang live auf Red Bull TV