Kabinett genehmigt Kohlekraftwerkspläne inmitten von Gasknappheit | Nachrichten

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von Andreas Thomas

BERLIN (Dow Jones) – Das Bundeskabinett hat einem Gesetzentwurf zugestimmt, der die Energieversorgung Deutschlands bei einem Ausfall der russischen Gasversorgung sicherstellen soll. Kohlekraftwerke werden bis Ende März 2024 auf Standby geschaltet, um bei Gasknappheit Strom nach Bedarf zu erzeugen, um fehlendes Gas in der Stromerzeugung zu ersetzen. Generell hat Deutschland Notreserven von bis zu 10 Gigawatt (GW) in Reserve, die in einer solchen Situation durch Kohlekraftwerke erzeugt werden könnten.

Im vergangenen Jahr trug Gas etwa 15 Prozent zur Stromerzeugung bei. Laut Bundeswirtschaftsministerium dürfte der Anteil in den vergangenen Monaten gesunken sein.

Die Bereitstellung von Kohlekraftwerken für Notfälle ist notwendig. „Dies ist vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der angespannten Lage auf den Energiemärkten besonders wichtig“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann. Grundsätzlich hält die Bundesregierung trotz möglicher zusätzlicher Nutzung von Kohle an dem Ziel fest, den Kohleausstieg „idealerweise“ bis 2030 zu vollziehen, wie es der Gesetzentwurf vorsieht. Auch die Klimaziele bleiben bestehen.

Auf der Erzeugungsseite ist wie geplant bis zum 31. März 2024 der Aufbau einer Gasersatzreserve vorgesehen. Die bereits für das Stromsystem als Reserve zur Verfügung stehenden Kraftwerke werden rehabilitiert, um wieder in den Strom zurückgreifen zu können Markt kurzfristig.

„Diese zusätzliche Erzeugungskapazität soll die Stromerzeugung in Erdgaskraftwerken möglichst weitgehend ersetzen, um Erdgas einzusparen. Da davon auszugehen ist, dass es sich um einen vorübergehenden Zustand handelt, müssen die Maßnahmen zeitlich begrenzt werden.“ heißt es in der Redaktionshilfe der Bundesregierung für die Fraktionen SPD, Grüne und FDP zum Gesetz zur Verfügbarkeit von Ersatzkraftwerken.

Aktivierung auch bei absehbarer Gasknappheit

Diese zusätzliche Kohleverstromung durch Braunkohle- oder Steinkohlekraftwerke soll laut Gesetzentwurf nur dann angefordert werden, wenn eine Gasknappheit vorliegt oder eine Gasknappheit droht und der Gasverbrauch in der Stromerzeugung erfolgen muss reduziert. Dies wäre beispielsweise bereits der Fall, wenn Russland im Sommer den Gashahn zudreht und erst im Winter mit Gasknappheit zu rechnen wäre.

Kohlekraftwerke könnten dann kurzfristig Strom produzieren. Die Maßnahme betrifft systemrelevante Kraftwerke, für die in den Jahren 2022 und 2023 ein Kohleverbrennungsverbot in Kraft treten würde. Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bedeutet dies eine Stromerzeugung von 2,1 GW im Jahr 2022 und 0,5 GW im Jahr 2023 Hinzu kommen solche, die bereits in der Netzreserve vorhanden sind und nicht mit Erdgas betrieben werden. Nach Angaben des Ministeriums sind dies etwa 4,3 GW Steinkohlekraftwerke und 1,6 GW Mineralölkraftwerke.

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8. Juni 2022 07:10 ET (11:10 GMT)