Kirchen lassen wieder Kelche zirkulieren: ref.ch

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In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln deutet kaum noch etwas darauf hin, dass die Corona-Pandemie noch präsent ist. Die meisten Gesichter haben keine Masken, die Desinfektionsstelle ist meist allein. Auch in den Kirchen kehrte nach dem Ende der Maßnahmen am 1. April die große Mehrheit in die sogenannte „Normalität“ zurück. «Grundsätzlich sind wir sehr erleichtert, dass die Masken- und Ausweispflicht aufgehoben wurde», sagt Beat Allemand, Pfarrer des Berner Münsters. Es gibt wenige Menschen, die vorsichtig sind und die Maske tragen. „Letztes Wochenende ist mir aufgefallen, dass keine einzige Person die Maske trägt. Immerhin waren 130 Leute im Dienst“, sagt er.

Die Gemeinde ist dagegen vorsichtiger. Im Ostergottesdienst etwa gab es erstmals seit Ausbruch der Pandemie Abendmahl. „Der Unterschied war, dass das Brot vorgeschnitten war, sodass wir es nicht anfassen mussten“, sagt Allemand. Außerdem wurde auf einen Gemeinschaftskelch verzichtet. Allemand selbst muss sich wieder daran gewöhnen, mit Menschen zu kommunizieren. „Ich mache das spontan. Ich strecke meine Hand zu denen aus, die ich kenne, aber anderen gegenüber bin ich zurückhaltender.“

Allemand erinnert sich an einen schwierigen Moment. Gerade als Zentralkirche mussten immer wieder Menschen nach der Urkundenübergabe abgewiesen werden. “Die Leute haben mitfühlend reagiert, einige waren aber auch wütend.” Jetzt sind die meisten zurückgekehrt, aber nicht alle. “Einige haben wohl eine Alternative zum sonntäglichen Gottesdienstbesuch gefunden und sind dabei geblieben.”

Diebstahl zu Ostern

Auch die reformierte Kirchengemeinde Langnau am Albis im Kanton Zürich freut sich, endlich wieder uneingeschränkt feiern zu können. „Beim Familiengottesdienst umarmen sich die Menschen wieder, wenn sie sich sehen“, sagt Pfarrerin Nadja Papis-Wüest. Ältere Mitglieder der Community sind dagegen noch etwas vorsichtiger. „Du hast so lange zum Teil in Angst gelebt. Deshalb sei seine Rückkehr noch zaghafter.“ An Ostern sei man mehr oder weniger zurückhaltend gewesen. Dort habe es erstmals seit der Pandemie wieder einen Gemeindekelch gegeben. „Mache hat ohne zu zögern daraus getrunken, für andere war es zu früh.“

Martin Kuse, Pfarrer der reformierten Kirchengemeinde Holderbank-Möriken-Wildegg im Kanton Aargau, zieht nach den Massnahmen ein gemischtes Fazit. Die frühe Feier des Ostersonntags hatte sehr wenig Besucher. „Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie kamen nur etwa ein Drittel der Menschen“, sagt Kuse. Die Gründe dafür sind schwer zu fassen. „Andere Dienste sind genauso gut versorgt wie bisher“, sagt Kuse. Gerade für ältere Menschen, die es gewohnt waren, nicht in die Kirche zu gehen, könnte es zu früh sein, wieder dorthin zu gehen, vermutet Kuse. Sonst würde wohl kaum jemand einen Mundschutz tragen. “Die Masken sind natürlich gefallen.” Das Thema Pandemie fühlt sich für alle am Dienst Beteiligten ziemlich weit weg an.

Live-Streaming muss bleiben

Während der Corona-Pandemie haben viele Kirchengemeinden damit begonnen, ihre Gottesdienste live zu streamen, darunter auch die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Dübendorf-Schwerzenbach. Dabei soll es vorerst bleiben, sagt der reformierte Pfarrer Markus Haltiner. Ausgestrahlt würden nur die sechs- bis siebenmal im Jahr durchgeführten Impulsdienste. Anders als zur Corona-Pandemie jetzt wieder mit Publikum vor Ort. „Das ist ungewöhnlich für die Anwesenden, da es im Gottesdienstraum einiges an Video- und Beleuchtungsgeräten gibt.“

Ausschlaggebend für die Aufrechterhaltung der Sendung war, dass eigens für die Pandemie ein Videoteam zusammengestellt wurde. “Es war ein komplexer und herausfordernder Weg für uns alle, insbesondere für unser Sigristen-Team.” Diese Fähigkeiten wollen sie nun weiter nutzen, denn mit Broadcasts können auch Menschen außerhalb der Community erreicht werden. „So bleibt wenigstens etwas Gutes aus der schwierigen Corona-Zeit.“