Kurze Irritation: Bayer-Aktie im Visier: Glyphosat-Klagen keine Schocknachricht mehr

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Auch wenn die US-Regierung dem Obersten Gerichtshof der USA geraten hat, einen bahnbrechenden Fall nicht anzunehmen, und daher eine bahnbrechende Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof unwahrscheinlich ist, erscheinen die zusätzlichen Risiken von Glyphosat derzeit überschaubar. Zudem boomt das Agargeschäft und die Aussichten für die Pharmasparte haben sich in den letzten Monaten verbessert. Was passiert bei Bayer, was sagen Analysten und was tut die Börse?

WAS PASSIERT BEI BAYER:

Bayer-Chef Werner Baumann hatte große Hoffnungen, dass der Oberste Gerichtshof die Glyphosat-Klagen verhandeln würde. Markieren Sie die Signalwirkung für zukünftige Anspruchsberechtigte. Hardeman wurde nach einem Gerichtsverfahren im Jahr 2019 Schadensersatz in Höhe von 25 Millionen US-Dollar zugesprochen. Bayer hatte gehofft, der Oberste Gerichtshof würde die Entscheidung rückgängig machen. Doch die Regierung, vertreten durch den sogenannten Generalstaatsanwalt, sprach sich Mitte Mai gegen eine Verhandlung aus. Dies ist zwar für den Obersten Gerichtshof nicht bindend, macht aber einen Prozess unwahrscheinlich.

Für den Fall einer Ablehnung des Verfahrens oder einer Niederlage hatte Bayer im vergangenen Jahr jedoch mit einer Rückstellung von 4,5 Milliarden Dollar vorgesorgt. Außerdem wird ab 2023 die private Käuferversion des Herbizids Roundup in den USA kein Glyphosat mehr enthalten. Dies dürfte das Risiko zukünftiger Klagen deutlich reduzieren, da frühere Klagen größtenteils von privaten Verbrauchern und nicht von Landwirten stammten.

Bis Ende 2021 hatte Bayer insgesamt 7,5 Milliarden US-Dollar (7 Milliarden Euro) zurückgestellt, um sich mit aktuellen und zukünftigen Klägern zu einigen. Analysten halten dies aus heutiger Sicht für eine realistische Größenordnung und sehen zunächst wenig weiteren finanziellen Ärger in kostspieligen Streitigkeiten um die angeblichen Krebsrisiken glyphosathaltiger Herbizide, die Bayer 2018 mit dem Kauf von 60 Milliarden Dollar aus dem US-Saatgut ins Haus geholt hat Firma Monsanto. Nach einer ersten Gerichtsniederlage im Sommer 2018 stieg die Zahl der Kläger rapide an.

2020 einigte sich Bayer grundsätzlich mit den Klägern, ohne Schuld einzugestehen. Das sollte die meisten Beschwerden außergerichtlich bringen. Laut aktuellem Jahresbericht, Stand 1. Februar 2022, wurden von insgesamt rund 138.000 eingereichten Anträgen rund 107.000 gematcht oder erfüllten die Match-Kriterien nicht.

Aber im Alltag läuft es gut im DAX-Konzern. Nach längerer Underperformance nach der Übernahme von Monsanto gewann das Agribusiness-Geschäft im Jahr 2021 an Dynamik. Es profitiert von der hohen Nachfrage nach Mais und Sojabohnen. Außerdem haben Landwirte bei hohen Preisen ihrer Produkte einen größeren Anreiz, Geld für Pflanzenschutzmittel auszugeben. Auch die Preise für den wichtigsten Umsatzbringer Glyphosat sind gegen Ende des Jahres 2021 stark gestiegen. Obwohl die Preise in letzter Zeit etwas zurückgegangen sind, sind sie immer noch höher als vor einem Jahr. Insgesamt dürfte das Agrarmarktumfeld auf absehbare Zeit gut bleiben.

Auch der Agrarbereich ist im ersten Quartal deutlich gewachsen. Das Pharmageschäft entwickelte sich weniger dynamisch, was aber auch an den Kosten für die Einführung neuer Medikamente wie Kerendia gegen Diabetiker und Nubeqa gegen Prostatakrebs lag. Das Management bestätigte trotz eines insgesamt guten Jahresauftakts „nur“ den Geschäftsausblick für 2022, blieb hier aber bewusst konservativ. Wenn das wirtschaftliche Umfeld so bleibe wie jetzt, sähe es sehr gut aus, sagte die Unternehmensleitung Anfang Mai in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Das Pharmageschäft von Bayer wird derweil weiterhin von den beiden Blockbustern Xarelto, einem Blutverdünner, und dem Augenmedikament Eylea dominiert. Beide erwirtschaften Milliardenumsätze, die in den kommenden Jahren durch den Verlust von Patenten schrumpfen werden. Noch wichtiger ist der Erfolg neuer Medikamente. Für Nubeqa beispielsweise hat Bayer aufgrund der positiven Daten der Studie zuletzt einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro im Jahr.

Auch der Medikamentenkandidat Asundexian spielt als möglicher Nachfolger von Xarelto eine wichtige Rolle. Anfang April präsentierte Bayer positive Daten aus einer Phase-II-Studie zur Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörungen) und Schlaganfallrisiko. Asundexian ist ein sogenannter Faktor-XI-Hemmer, eine noch junge Wirkstoffklasse, von der Experten geringere Blutungsrisiken erwarten als aktuelle Gerinnungshemmer wie Apixaban (Handelsname Eliquis) von Bristol-Myers Squibb (BMS) sowie Pfizer und Xarelto von Bayer. .

Langfristig erhofft sich Bayer Impulse durch neue Zell- und Gentherapien. In diesem Bereich hat das Leverkusener Unternehmen bedeutende Zukäufe getätigt und auch Partnerschaften aufgebaut.

WAS ANALYSTEN SAGEN:

Mit der landwirtschaftlichen Erholung und dem sich abzeichnenden Erfolg neuer Medikamente sind die Analysten in den letzten Monaten auch optimistischer geworden. Lag das von der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX ermittelte durchschnittliche Kursziel der Analysten im Februar knapp unter 68 Euro, liegt es nun bei 77 Euro. Aktuell kosten die Papiere gut 61 Euro. 13 der 17 befragten Experten raten zum Kauf. Es gibt keine Verkaufsempfehlung, nur vier neutrale Stimmen. Lediglich die Analysten des Investmenthauses Oddo BHF sehen beim aktuellen Kursniveau ein Abwärtsrisiko.

Am optimistischsten ist Peter Verdult von der US-Bank Citigroup mit einem Kursziel von 106 Euro. Wenn der Asundexian-Blutverdünner zugelassen wird, glaubt er, dass er einen jährlichen Spitzenumsatz von mehr als 6 Milliarden US-Dollar erzielen wird. Auch Alistair Campbell vom Investmenthaus Liberum sieht in den Medien einen möglicherweise noch größeren Erfolgsfaktor als in Xarelto.

Neben dem Potenzial von Asundexian betonte Michael Leuchten von der Schweizer Großbank UBS in einer aktuellen Studie, dass Bayer die durch den Ablauf der Patente von Xarelto verursachte Umsatzlücke klein halten und so den Wettbewerb in den kommenden Jahren mit neuen Medikamenten erhöhen sollte, die das bereits getan haben genehmigt worden. Es ist ein Beispiel für den Meinungswandel vieler Analysten aufgrund guter Daten aus Studien zu Medikamenten wie Kerendia und Nubeqa, nachdem die Patentlücke in den vergangenen Jahren vielen Experten Kopfzerbrechen bereitet hatte.

Und auch die Experten vertrauen dem Agrarbetrieb. Die Getreidepreise dürften noch einige Zeit hoch bleiben, schrieb kürzlich Gunther Zechmann von Bernstein Research. Und Analyst Andrew Stott, ebenfalls von UBS, sieht Bayer als einen der Nutznießer einer Verlängerung des aktuellen Agrarzyklus auf das nächste Jahr. Trotz historisch hoher Kosteninflation spricht die immer noch gute Rentabilität in der Landwirtschaft für eine solche Entwicklung. Und Sachin Jain von der Bank of America sieht derzeit auch mit Blick auf die Regelungen zur Glyphosat-Thematik kein grundsätzliches Risiko im Hinblick auf die nächste Supreme-Court-Entscheidung. Nur einer der potentiell positiven Preistreiber fehlt.

WAS DIE AKTION MACHT:

Seit ihrem zwischenzeitlichen Tief von rund 44 Euro Ende 2021 profitierte die Bayer-Aktie von insgesamt besseren Geschäften. Mitte April war er auf 67,99 Euro gestiegen. Mitte Mai ging es dann etwas bergab. Dies war jedoch vor allem auf Gewinnmitnahmen nach der starken Preiserholung und dem Nachfragerückgang bei Glyphosat zurückzuführen. Aktuell ist es nicht mehr lange bis zum April-Hoch. Darüber hinaus erwartete ich das höchste Niveau seit fast zwei Jahren.

Mit einem Kursanstieg von gut 43 Prozent ist Bayer der mit Abstand beste DAX-Wert 2022, während der deutsche Leitindex bislang rund neun Prozent im Minus ist.

Der seit 2015 zu verzeichnende Abwärtstrend, verstärkt durch die Niederlagen bei den Glyphosat-Prozessen ab Mitte 2018, bleibt intakt. Das wäre aus heutiger Sicht erst bei Preisen oberhalb des rund 73-Euro-Bereichs der Fall.

Seit der ersten Glyphosat-Klage gegen Bayer im August 2018 ist der Preis um gut 28 Prozent gefallen, gerechnet von der Rekordmarke von 146,45 Euro im Frühjahr 2015 sogar um mehr als die Hälfte. Auch wenn die seitdem gezahlten Dividenden berücksichtigt werden, wird das negative Vorzeichen nicht viel kleiner. Der deutsche Leitindex stieg in diesem Zeitraum um 16 Prozent.

Beim Börsenwert liegt Bayer mit gut 65 Milliarden Euro knapp unter den Dax-Top-10. Im April 2015 lag der Konzern mit einer Marktkapitalisierung von rund 120 Milliarden Euro noch an der Spitze des deutschen Leitindex. Damals war nur Volkswagen vom Marktwert her mit dem Bayer-Konzern zu vergleichen. Das Wolfsburger Unternehmen ist derzeit knapp 94 Milliarden Euro am Markt wert. Spitzenreiter im DAX ist der Gaskonzern Linde mit 151.000 Millionen Euro.

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LEVERKUSEN (dpa-AFX)

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