„Lizzos Watch Out for the Big Grrrls“-Serie: Eine Casting-Show jenseits gängiger Schönheitsideale Film | BR-Kultivierungsphase

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„Lizzos Watch Out for the Big Grrrls“-Serie: Eine Casting-Show jenseits gängiger Schönheitsideale Film |  BR-Kultivierungsphase

Einige der Tänzer von Lizzos Big Grrrls aus der Serie "Achten Sie auf Lizzos große Grrrls", von links nach rechts: Sydney Bell, Charity Holloway, Arianna Davis, Ashley Williams, Jayla Sullivan, Asia Banks und Kiara Mooring.  |  Bild: James Clark

Das könnte verrückt geworden sein. Eine weitere herzzerreißende Reality-Serie, die die persönliche Entwicklung ständig als „Reise“ bezeichnet. Eine Reise, bei der natürlich jeder die berühmten „110 Prozent“ gibt. Und doch zeigt sich, dass „Lizzos Aufpasser für die großen Grrrls“ genug Spielraum innerhalb der bekannten Strukturen von Casting-Formaten hat, um mehr zu sein als nur eine politisch korrekte Version von „Germany’s Next Topmodel“.

In der ersten Folge stehen 13 Tänzer vor der Multi-Platin-Musikerin Lizzo. Jeder möchte ein Teil ihrer Live-Shows sein. Da Lizzo mehrere Tänzer braucht, gilt die berühmte Formel „es kann nur einen geben“ nicht mehr. Für die Stimmung unter den Kandidaten bedeutet das: weniger Konkurrenz. Jede Folge bereitet sie auf einen anderen Aspekt ihrer potenziellen Karriere vor: Choreographie, Videodrehs und Fotoshootings.

Tänzer, die wie Lizzo aussehen

In einer Rede beim SXSW-Festival beschrieb Lizzo die Motivation für ihre Show: Sie wollte Tänzer engagieren, die aussahen wie sie: fett. Aber sie fand keine. „Ich bin schon lange in dieser Branche“, sagt Lizzo gegenüber SXSW, „und ich habe mich in den Tänzern, die aus diesen Agentur-Vorsprechen kommen, nie wiedererkannt. Also dachte ich eines Tages: ‚Weißt du was? Ich werde eine Show im Fernsehen machen und ein wenig Bewusstsein für das Thema schaffen.

Hüte dich vor Lizzos großen Grrrls – Offizieller Trailer |  erstes Video |  Bild: Prime Video (über YouTube)

Hüte dich vor Lizzos großen Grrrls – Offizieller Trailer | erstes Video

Die Show ist besessen von Körpern. Ja, weil Tanzen ein körperlicher Sport ist, aber auch, weil wir alle von unserem Körper besessen sind. In der Vergangenheit wurden die Tänzer der Show in den sozialen Medien genauso oft wegen ihres Gewichts oder ihrer Hautfarbe beschimpft wie auf der Straße. Frauen sprechen verständlich, nicht in Schlagworten oder Fachvokabular wie „Intersektionalität“. Erkennbar ist auch eine Struktur, die bis zum Pop-Olymp reicht, in dem Lizzo sitzt, die nach ihren Konzerten Sätze hört wie: „Du kannst es nicht ertragen, ich könnte es nicht.“ Solche fragwürdigen Komplimente mache man einer Beyoncé sicher nicht, sagt Lizzo. Das Vorurteil: Dicke Frauen können keine Live-Shows machen.

„Das sagen sie Beyoncé nicht“, sagt Lizzy. “Das sagen sie auch anderen Künstlern nicht. Warum also ich? Wir alle wissen warum. Weil sie nicht glauben, dass ich das kann. Tu es!”

Eine Serie, die etwas verändern will

Zeigen, wie sexy dicke Frauen sind, wie flexibel und stark: “Lizzo’s Watch Out for the Big Grrrls” ist nicht nur gut gemeint, sondern auch unterhaltsam. Eine hochprofessionelle Show mit glaubwürdiger Popmusik und Lizzo, die moderiert, ist Richterin und ausführende Produzentin. Und bauen so Ihre Marke stark aus.

Diese Nischenserie wird kaum ein Publikum finden, das sich nicht sonst mit Lizzo, Bodyshaming oder Rassismus auseinandersetzt. Es ist noch kein “Identity-TV”, keine gute Idee für alle, die ihre eigene Körperform im Fernsehen sehen wollen. Die Serie soll Nachfrage schaffen. Nach fetten Tänzern. Nach respektvollen Unterhaltungsformaten. Aber auch nach offenen Diskussionen über Schönheitsideale, Fremdzuschreibungen und das eigene Selbstbild. Das geht weit über dreizehn Frauen hinaus, die sich als Tänzerinnen bei einem Popstar bewerben.

„Lizzo’s Watch Out for the Big Grrrls“ ist ab dem 25. März auf Amazon Prime erhältlich.

Dieser Beitrag wurde am 13. Mai 2022 in der kulturWelt in Bayern 2 veröffentlicht. Sie können den Podcast der Sendung ansehen Abonnieren Sie hier.