„Maixabel“ von Icíar Bollaín ist ein Film über Opfer und Täter des ETA-Terrors – Freitag

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Zunächst scheint es wie ein unmerklicher Aufruhr, der in den Alltag von Maixabel Lasa (Blanca Portillo) eindringt: Im Flur ihres Hauses klingelt das Telefon, während sie sich im Badezimmer die Haare trocknet, und sie hat nicht das Bedürfnis, abzunehmen klingelt immer und immer wieder, bis Maixabels Gesichtsausdruck die Gewissheit verrät, dass etwas Schreckliches passiert sein muss. Wiederholen Sie das Drama aus einem echten Fall Maxabel, die inneren Prozesse seiner Figuren ohne Worte und prägnant auf den Punkt zu bringen. Und all diese internen Prozesse laufen im Laufe dieses Films ab, in dem es um die persönliche Akzeptanz des ETA-Terrors im spanischen Baskenland geht.

Maixabels Mienenwechsel zu Beginn des Films ist einem Schicksalsschlag geschuldet, den sie seit Jahren befürchtet: Eines Tages im Juli 2000 empfängt ihr Ehemann Juan Marí Jáuregui, ehemaliger sozialistischer Zivilgouverneur der baskischen Provinz Gipuzkoa, zwei in den Hinterkopf geschossen, als er mit einem Freund in einem Café in seiner Heimatstadt Tolosa saß.

Maxabel zeichnet diesen ETA-Angriff mit nüchterner, aber nie kalter Präzision nach: Aus der Perspektive der drei Autoren Ibon Etxezarreta (Luis Tosar), Luis Carrasco (Urko Olazabal) und Patxi Makazaga (Mikel Bustamante) erleben wir den rasanten Ablauf der Ereignisse und die atemlose Flucht von He in einen Unterschlupf, bevor sich das Drama der Trauer der untröstlichen Maixabel und ihrer 18-jährigen Tochter María (María Cerezuela) zuwendet.

Regisseur Iciar Bollain (und dann der regen, die Rosenhochzeit), der zusammen mit Autorin Isa Campo das Drehbuch geschrieben hat, beeindruckt mit einem ersten Akt, der mit einer Fokussierung auf den Täter Ibon endet: Abrupte und signifikante Übergänge führen von Ibons Rückansicht im Unterschlupf bis zum Gerichtsprozess im Jahr 2004, in dem Gemeinsam mit seinen Komplizen protestierte er lautstark gegen das „faschistische“ Spanien und kündigte an, dieses Gericht nicht anzuerkennen. Von dieser turbulenten Szene wechselt er 2010 in die Stille einer Gefängniseinrichtung, die den aktuellen Schauplatz für den Rest des Films darstellt. Ibon wird darüber informiert, dass sein Großvater, der ihn aufgezogen hat, verstorben ist und in eine andere Einrichtung verlegt wird. Die inzwischen ergraute Maixabel besucht derweil den wieder entweihten Gedenkstein ihres Mannes.

die Traurigkeit anderer

In diesen Nahaufnahmen scheinen Ibon und Maixabel Mitglieder zweier gegensätzlicher Welten zu sein, die durch eine einzige schreckliche Tat zusammengebracht wurden. Maxabel erzählt die Geschichte, wie diese beiden Welten auf eine kaum für möglich gehaltene Begegnung zusteuern. Nach dem Tod seines Großvaters wird Ibon in ein Internierungslager in der Nähe seiner Heimatstadt verlegt. Die Haftbedingungen sind entspannt und erlauben ihm auch, mit seiner Mutter zu gehen. Dieses Gelände beherbergt auch ehemalige ETA-Mitglieder, die öffentlich aus der Organisation ausgetreten sind. Ibon, der sich während seiner Haft nur von der ETA und ihren Aktionen distanziert, aber nie vollständig aufgegeben hatte, reagierte zunächst mit Feindseligkeit auf die Bemühungen des Gefängnisdirektors, ihn dauerhaft in diesem Zentrum unterzubringen. Trotz der Reue für sein Handeln will er der ETA treu bleiben und beteuert im Gespräch mit seinem ehemaligen Komplizen und jetzigen Mitgefangenen Luis, dass er die Organisation keinesfalls schwächen wolle.

Der Schauspieler Luis Tosar verkörpert Ibon prominent als einen Mann, der sich in der lang aufgeschobenen Auseinandersetzung mit seiner Tat nach und nach öffnet. Blanca Portillo als Maixabel steht dieser Leistung in nichts nach, allerdings stößt das Drehbuch mitunter an seine Grenzen bei der Darstellung dieser umwerfenden Frau und beschränkt sich dann auf Informationen über das erstaunliche Engagement der echten Maixabel Lasa, die schnell in die Dialogsequenzen eingestreut werden. . Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie Leiterin des „Büros für die Betreuung von Opfern des Terrorismus“ und sorgte 2008 für Aufsehen, als sie diese Organisation für alle Opfer von Gewalt öffnete, einschließlich derer, die durch terroristische Paramilitärs Verluste erlitten in den 1980er Jahren.-Die Terroreinheit GAL (Grupos Antiterroristas de Liberación) schrie.

Maixabels Offenheit für den Umgang mit den Folgen des Terrors und der gewaltsamen Unterdrückung separatistischer Bewegungen wird auf die Probe gestellt, als ihr ein Opfer-Täter-Programm die Gelegenheit gibt, mit den Mördern ihres Mannes zu sprechen. In ihrem Umfeld wird schnell die Frage verhandelt, ob ein solcher Dialog sinnvoll sein kann. “Du hilfst ihnen, sich selbst zu vergeben”, wirft ein alter Parteifreund Juan Marí Maixabel vor, der dennoch bereit ist, Luis und Ibon zu treffen.

Letztlich spielen diese Gespräche als ebenso schmerzhafte wie konstruktive Begegnungen eine zentrale Rolle im Film. Ohne Melodrama zeigen sie, was zehn Jahre nach einer solchen Tat auf beiden Seiten bleibt: die Gewissheit, dass dies das bisherige Leben aller Beteiligten unwiderruflich verdorben hat und nie ganz zu verzeihen ist. Aber dass so etwas wie Heilung auch ohne Vergebung oder Wiedergutmachung stattfinden kann. Das zeigt schließlich das beeindruckende Ende von Maxabeldie am Gedenkgrabstein von Juan Marí Jáuregi stattfindet, kurz nachdem die ETA 2011 die Einstellung ihrer bewaffneten Aktivitäten angekündigt hatte.

Maxabel Iciar Bollain Spanien 2021, 115 Minuten