Merkel zum russischen Angriffskrieg: “Brutaler, rücksichtsloser Angriff, für den es keine Entschuldigung gibt” – Politik

Posted on

Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) beantwortete erstmals seit dem Ende ihres Pfarramtes die Fragen einer Journalistin. In einem Interview mit „Spiegel“-Reporter Alexander Osang sagte die 67-Jährige, sie habe sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Kanzleramt „das anders vorgestellt“.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Nach dem 24. Februar 2022 markierte die russische Invasion in der Ukraine jedoch eine „Zäsur“, die sie „manchmal depressiv macht“.

Der Angriffskrieg finde seiner Meinung nach “keine Rechtfertigung”. Vielmehr handele es sich um einen „menschenverachtenden brutalen Angriff, für den es keine Entschuldigung gibt“. Merkel bezeichnete den Regierungswechsel nach ihrem Abgang als “erfolgreich”.

„Mein Herz hat immer für die Ukraine geschlagen“

Die CDU-Politik erklärte, dass sie in Erinnerung an den Ukraine-Krieg von Zeit zu Zeit frage: “Was war verloren?” oder “Hätte es verhindert werden können?” Sie betonte aber auch: “Ich muss mir keine Vorwürfe machen, ich habe mich nicht genug bemüht.” Sie werde sich während ihrer Amtszeit für ihre Diplomatie in Russland “nicht entschuldigen”.

Er stellte auch klar, dass “mein Herz immer für die Ukraine geschlagen hat”. Er hoffe auch, “dass die Ukraine so gut wie möglich abschneidet”. Sie habe “Respekt” vor der Version des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Angela Merkel hatte sich in den vergangenen Monaten nur vereinzelt schriftlich zum russischen Angriff auf die Ukraine geäußert. Am vergangenen Mittwoch machte der CDU-Politiker seiner öffentlichen Zurückhaltung ein Ende und hielt die Laudatio, als er den ehemaligen DGB-Chef Reiner Hoffmann verabschiedete. Als Bundeskanzler außer Dienst wolle er keine Einschätzungen von der Seitenlinie abgeben, sagte er.

„Putins Hass geht gegen das westliche demokratische Modell“

Schon bei ihrem Abschiedsbesuch in Moskau bei Russlands Präsident Putin sei der ehemaligen Außenministerin klar geworden, dass es bei kritischen Themen “nichts weiter geht”.

Heute bringt es der 67-Jährige auf den Punkt: „Putins Hass geht gegen das westliche Demokratiemodell.“ Kritiker werfen ihr hingegen keine Naivität vor. Er hat schon mehreren Leuten gesagt: “Sie wissen, dass er Europa zerstören will. Er will die Europäische Union zerstören, weil er sie als Vorläufer der Nato sieht.”

Auf die Frage des Journalisten Alexander Osang, ob der ehemalige Außenminister Russlands Präsident Putin etwas erklären könne, wich Merkel aus. Am Ende stellte er aber klar: “Er hält die Demokratie für falsch.”

Mehr zum Ukrainekrieg auf Tagesspiegel Plus:

Auch während ihrer Amtszeit war es Merkel stets ein Anliegen, den Gesprächsfaden mit Putin nicht abreißen zu lassen. Sie wollte sich ein Fenster für diplomatische Lösungen der Krise offenhalten.

In dem Interview sah sich der ehemalige Außenminister jedoch der Kritik des ukrainischen Botschafters Andriy Melnyk ausgesetzt, dass Merkel seit Beginn der russischen Invasion immer noch nicht mit Putin telefoniert habe. Die CDU-Politik antwortete, sie werde nichts tun, was die Bundesregierung nicht ausdrücklich von ihr verlangt habe.

Die Zeit nach dem Büro: „Dating nur zum Wohlfühlen? Ich sage ja!”

Die Altkanzlerin machte deutlich, dass sie sich nach ihrem Ausscheiden “nicht verstecken wolle”. Vielmehr sagte er von Anfang an, dass er nur bei Templin in der Uckermark eine Pause einlegen werde. Auch er wolle nach 16 Jahren als Bundeskanzler “etwas machen, was mich glücklich macht”. Kritikern, die ihr vorwarfen, nur auf „Wohlfühl-Dates“ zu gehen, antwortete sie: „Nur Wohlfühl-Dates? Ich sage ja!“

Der ehemalige Außenminister gibt im Interview auch private Meinungen ab. Während seiner Ostseepause habe er „im Hörbuchbereich gearbeitet“, unter anderem mit Shakespeares „Macbeth“. Er glaube, dass er “seinen neuen Lebensabschnitt sehr gut bewältigen und sehr glücklich sein kann”.

Angeblich will sich Merkel ihre Termine bei der Post gezielt aussuchen, um dem ein oder anderen Auftrieb zu geben. Mit klugen Kommentaren wird sie der neuen Bundesregierung aber nicht von der Seitenlinie aus das Leben schwer machen.

Jeder, der Ihren Rat will, kann ihn bekommen, aber intern. Merkel hat viele Anfragen aus der Wissenschaft für Gastprofessuren erhalten, bisher aber abgelehnt. Auch ein geplantes Buchprojekt mit seinen Memoiren dürfte noch einige Jahre dauern.

Wie es zu der Veranstaltung am Berliner Ensemble kam

Der Auftritt im Berliner Ensemble war Teil von Merkels Plan für eine ruhige Rückkehr ins öffentliche Leben. Hintergrund des Gesprächs war ein 2021 im Aufbau Verlag erschienenes Buch mit dem Titel „So what is my country?“.