«Nico» – Eine Geschichte von Trauma, Mut und Freundschaft

Posted on

Welche Auswirkungen kann ein rassistischer Angriff auf eine Person haben? Nachvollziehen kann das der Zuschauer in dem sensiblen und emotionalen Spielfilmdebüt von Regisseurin Eline Gehring, in dem die Hauptfigur Nico (Sara Fazilat) die schrecklichen Folgen spüren lässt, die Rassismus auf Körper und Geist haben kann.

“Hast du mich gerade geschubst oder was?!” – Alles beginnt mit einer Beule auf dem Heimweg. Eigentlich war Nico früher eine fröhliche und selbstbewusste Frau, die das Leben genoss. Doch ein rassistischer Angriff nach einer Party im Park ändert alles. Der Deutsch-Perser Nico wird von einer Gruppe Männer, angeführt von einer aggressiven Frau, zusammengeschlagen und wacht in einem Krankenhaus auf, danach ist er kaum wiederzuerkennen.

Karate als Ausweg

Immer wieder wird Nico von Erinnerungen an den schrecklichen Angriff geplagt. Die 180-Grad-Wende von einer lebenslustigen Altenpflegerin zu einer zurückgezogenen, ängstlichen und wütenden Frau zeigt, wie sehr ein Trauma auf Körper und Psyche wirken kann. Nico findet im Karate eine Art Ventil für seine eigenen Gefühle. Aber während Karate-Weltmeisterin Andy mit ihrem strengen Trainingsplan ihre Emotionen kanalisieren kann, wird schnell klar, dass solche psychologischen Folgen nicht einfach durch Training beseitigt werden können.

Nico verliert nach und nach den Anschluss an sich und ihr altes Leben. Auch ihre Beziehung zu ihrer besten Freundin Rosa (Javeh Asefdjah) und ihren Patienten bei der Arbeit beginnt sich aufzulösen. Erst als Nico auf die Mazedonierin Ronny (Sara Klimoska) trifft, entwickelt sich eine Verbindung zwischen den beiden Frauen, die Nico an seinem eingeschlagenen Weg zweifeln lässt.

aufschlussreiche Dialoge

„Nico“ ist nicht nur Eline Gehrings Filmdebüt, sondern auch die Abschlussarbeit von Hauptdarstellerin Sara Fazilat in ihren Produktionsstudios an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Der Film ist auf der Shortlist für den Deutschen Filmpreis 2022 in der Kategorie Spielfilm. 2021 erhielt Fazilat für seine Rolle als Nico beim Max-Ophüls-Preis-Filmfestival die Auszeichnung „Bester Nachwuchsdarsteller“. Am Drehbuch war auch die bildende Künstlerin Francy Fabritz beteiligt.

Mit „Nico“ ist es dem Trio gelungen, Themen wie Freundschaft, Selbstermächtigung und Traumabewältigung sensibel und durchdacht umzusetzen. „Wir haben uns mit unserer Wut und Hilflosigkeit darüber auseinandergesetzt, dass Rassismus und Sexismus bis heute Teil unseres Alltags sind“, heißt es in einem gemeinsamen Statement von Management und Produktion. Um diese Wut möglichst authentisch zum Ausdruck zu bringen, hat man sich für filmische Charaktere entschieden, die große Identifikationsräume bieten. Es wird gesagt, dass viele Elemente der Improvisation von Anfang an verwendet wurden.

Diese Elemente zeigen sich besonders deutlich in den ehrlichen und einfühlsamen Dialogen zwischen Nico und seiner Patientin Brigitte. Mit einem packenden Debüt ist den Autoren ein spannender, humorvoller und nachdenklicher Film über ein leider immer noch allgegenwärtiges Thema gelungen.

– Nico, Deutschland 2021, ca. 79 Minuten, FSK ab 12 Jahren, von Eline Gehring, mit Sara Fazilat, Sara Klimoska, Javeh Asefdjah, Andreas Marquardt, Brigitte Kramer, Isidoro Fernandez Mompelier und Sabrina Tannen.

Jetzt sicher: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!