Nominierungen für den Filmpreis 2022: Das deutsche Kino schmückt sich mit fremden Federn – Kultur

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Das Drama von Andreas Dresen
©dpa

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Bei den Lola-Nominierungen dominieren Braschs Biopic „Dear Thomas“ und Andreas Dresens Film Kurnaz. Allerdings sorgen zwei internationale Filme für Irritationen.

Das deutsche Kino soll internationaler werden. Dieser Wunsch wird der Branche seit einiger Zeit geäußert. Vielfalt, vielfältige Stimmen, neue Geschichten – solche Forderungen von Sponsoren und Verlagen kollidieren immer wieder mit langsamen Strukturen. Die Filmakademie bediente sich dieses Jahr eines kleinen Tricks, der das deutsche Kino auf einen Schlag internationaler aussehen ließ. Der österreichische Film „Große Freiheit“ von Sebastian Meise und die internationale Produktion „Spencer“ des Chilenen Pablo Larraín gehören zu den sechs Nominierten für den besten Film 2022, gaben die Veranstalter von „Lolas“ an diesem Donnerstag bekannt.

Künstlerisch ist das eine gute Nachricht, beide Filme gehören zu den Highlights des Jahres. Allerdings werfen die Nominierungen ein zweifelhaftes Licht auf das deutsche Kino, denn die Branche schmückt sich mit den falschen Federn. Auch wenn die Auswahl den Standards entspricht, folgt dieses Signal der Logik der Förderbürokratie.

In Cannes und Venedig, wo die Filme ihre Weltpremiere hatten, wurden weder “Große Freiheit” noch “Spencer” als deutsche Filme rezipiert. Es sind deutsche Koproduktionen; hinter “Spencer” steckt die Berliner Komplizen Film (“Toni Erdmann”). Deutsche Filme sind auf internationalen Festivals in letzter Zeit Mangelware.

Mehr Filmlokalisierung als Filmkunst

Und wenn doch, gelingt es den Mitgliedern der Akademie immer wieder, darüber hinwegzusehen: Der Locarno-Preisträger “Nobody’s With the Calves” ist weder für den besten Film noch für die beste Regie (Sabrina Sarabi) nominiert. Immerhin hat Hauptdarstellerin Saskia Rosendahl eine Chance, aber sie hat es mit Siegerbär Meltem Kaptan auf sich.

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Der kritische Blick auf “nationale” Kategorien hat wenig mit chauvinistischer Arroganz zu tun. Im Gegenteil, es zeigt, dass die deutsche Industrie den Filmstandort zwar gut fördert, sich diese Investitionen aber nicht nachhaltig in heimische Produktion niederschlagen. Die Titel mit den meisten Nominierungen sind Andreas Dresens Doppelsieger Bären, Rabiye Kurnaz vs. George W. Bush (10) und Andreas Kleinerts Biopic über Brasch Lieber Thomas (12).

Die internationale Reichweite beider Filme ist überschaubar, auch wenn Dresen diesmal über den Atlantik blickt. Künstlerisch sind beide Filme solider Durchschnitt, irgendwo zwischen Berlinale-Abo und deutschem Fernsehen. Sie werden immer noch das Rennen zwischen ihnen entscheiden. Bedeutsam ist nur, dass die Filmakademie mit der Nominierung von „Große Freiheit“ und „Spencer“ der Logik der Förderer folgt, die das deutsche Kino in erster Linie als Wirtschaftsstandort sehen.