Nordkorea: Weniger Raketentests wegen Coronakrise?

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Nordkorea: Weniger Raketentests wegen Coronakrise?

Stand: 13.05.2022 10:44 Uhr

Nordkorea hat gestern den ersten offiziellen Corona-Fall gemeldet und anschließend erneut Raketen getestet. Experten vermuten, dass das Regime wegen der Corona-Krise künftig weniger provokant sein wird.

Von Kathrin Erdmann, ARD Studio Tokio

Mit dem Ausbruch der Pandemie Anfang 2020 hat sich Nordkorea vollständig von der Außenwelt abgeschottet. Eine kleinere Stadt wurde bisher einmal abgeriegelt, aber niemand sprach offiziell von Corona. Doch jetzt habe sich die Situation geändert, sagt Go Myong-Hyun vom Asan Institute for Policy Studies in Seoul.

Das Regime hat erfahren, dass der Covid Pjöngjang erreicht hat.

Catherine Erdmann

Nordkorea im Lockdown

Die Nachricht, dass das Regime einen Lockdown in der Hauptstadt verhängt hatte, ging um die Welt. Machthaber Kim Jong Un habe keine andere Wahl gehabt, als in die Offensive zu gehen, so Go weiter.

In Nordkorea sollen sechs Menschen an der Untervariante des Coronavirus gestorben sein. Die Einholung und Überprüfung von Informationen ist schwierig, da es im Land im Prinzip keine Ausländer mehr gibt, die Auskunft über die aktuelle Situation geben können.

Impfstoffe in Nordkorea sind schwierig

Allerdings hat der Nordkorea-Experte Zweifel, dass das Regime nun schnell andere Länder um Hilfe bitten kann. Und das, obwohl niemand in dem kommunistischen Land geimpft ist. Nordkorea hatte Impfstoffe der internationalen Covax-Initiative sowie aus China abgelehnt. Go sagt, dass diese Entscheidung auch logistische Gründe haben könnte:

Es kann schwierig sein, eine Massenimpfkampagne in Nordkorea zu starten.

Dazu müsse man in der Lage sein, für ausreichende Kühlung zu sorgen, erklärt Go. „Man bräuchte also eine sichere Stromversorgung, und die ist nicht überall gewährleistet, wahrscheinlich nur in Pjöngjang.“

Das würde bedeuten, dass Nordkorea nicht nur medizinische, sondern auch logistische Unterstützung braucht, erklärt Go. Das würde bedeuten, dass viele Ausländer ins Land gelassen werden müssten. Doch genau das befürchtet das Regime, denn dies könnte zu einem Kontrollverlust führen. Abgesehen von der Skepsis gegenüber fremden Wirkstoffen.

Der Lockdown sorgt für Probleme

Doch ein kompletter Lockdown ist keine einfache Sache, wie man in Shanghai sehen kann. Die Leute bekommen Angst, wenn sie nichts zu essen bekommen. Und schnell beim Lieferservice bestellen, das dürfte in Nordkorea schwierig werden.

Ich denke, Nordkoreas Blockade ist nicht so streng wie die Chinas, also sind Sie völlig geschlossen.

In Nordkorea wird der Lockdown auf einzelne Dörfer beschränkt, was laut Go bedeutet, dass die Menschen eher in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen. Die Menschen sind harte Zeiten gewohnt.

Zudem steigen die Temperaturen, sodass das Virus deutlich weniger Schaden anrichten könnte als in anderen Ländern, so der Experte des Asien-Instituts.

Experte: “Nordkorea wird Provokation abwürgen”

Der Wissenschaftler war jedoch überrascht, dass Nordkorea später neben der Nachricht von Omicron drei weitere Raketentests durchführte. Langfristig glaubt er aber: „Nordkorea wird meiner Meinung nach das Tempo der Provokationen verlangsamen. Natürlich könnten sie auch einen Atombombentest durchführen, aber das würde China sehr aufregen.“

Es ist eine sehr wichtige und schwierige Zeit für Präsident Xi Jinping, der im Herbst wiedergewählt werden will. Als wichtigster Verbündeter des Nordens, so Fo, “wünsche er sich Frieden an der Front”. Es könnte also sein, dass Omicron in gewisser Weise auch seine guten Seiten hat:

Nordkorea könnte das Virus als Vorwand benutzen, um weitere Tests zu verschieben. Es könnte sogar einen Atomtest auf später in diesem Jahr oder Anfang 2023 verschieben.

Aber gleichzeitig gibt sogar Nordkorea-Experte Go freimütig zu: Beim Kim-Regime weiß man nie.

Nordkoreas Omicron könnte Waffentests verlangsamen

Kathrin Erdmann, ARD Tokio, 13. Mai 2022 12:48 Uhr