Pfingstdialog: “Wir sind zurück im Kalten Krieg, nur ein paar Meilen weiter östlich”

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Ob die „grüne Transformation“ gelingen kann, wird seit gestern beim Pfingstdialog in Seggauberg diskutiert. Der ehemalige deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel mischte die Veranstaltung gleich am ersten Tag so richtig auf: Nicht die Wirtschaft, sondern die Geopolitik wird über die Zukunft Europas entscheiden.

Gabriel rechnet mit einem langen Krieg in der Ukraine. „Wir befinden uns wieder im Kalten Krieg, nur etwas weiter östlich. Wir werden uns wieder bis an die Zähne bewaffnet gegenüberstehen. Im Cyberzeitalter ist es viel gefährlicher.“ Europa kann sich nicht mehr auf die USA verlassen, für die der Indopazifik-Raum längst wichtiger ist als der Atlantik. Gabriels düstere These: „Die Welt wird richtig ungemütlich. Und wir werden nicht ablehnen können, weil die Welt kein Risiko mehr mit uns eingehen wird.“

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Politische Einheit ist für die EU wichtiger denn je. Darin waren sich alle Redner einig, von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer über Wirtschaftsministerin Barbara Eibinger-Miedl bis hin zum Vertreter der EU-Kommission in Österreich Martin Selmayr. Letzteres brachte Optimismus: Die EU sei wirtschaftlich stark und gefragt, “zehn demokratische Staaten wollen beitreten”. Europas Gesetze würden “irgendwann zu globalen Standards werden”, sagt er, wenn es um den Klimaschutz geht.

Bischof „Eigentümer“ Wilhelm Krautwaschl verwies in vielen Gemeinden auf Ökostrom. Superintendent Wolfgang Rehner ergänzt: „Für den Klimaschutz brauchen wir Wissen, keine Verbote.“

Donnerstag

Der Knackpunkt, der Europa derzeit in Atem hält, steht am Donnerstag im Rampenlicht. Das Panel trägt einfach den Titel „Energieentscheidungsfrage“. Am Ende des Tages wird die Hauptkonferenz von dem Philosophen, Publizisten und Autor Richard David Precht gehalten und in der Debatte mit Europastaatsrat Christopher Drexler, der Ministerin Karoline Edtstadler und dem Philosophen Standpunkte ausgetauscht Lisa Hirn.

Ergänzt wird der intellektuelle Austausch während dieser zwei Tage durch ein eigenes Programm für Fellows (aus der Ukraine), einen Journalismus-Workshop und sieben Insieme-Gruppen zu Themen wie „Wie viel Wohlstand brauchen die Menschen“ oder „Grüne Transformation und Demokratie“.

Die Veranstaltungsreihe, organisiert vom Verein Alpbach, der Diözese Graz-Seckau und dem Land Steiermark, findet jährlich statt alle zwei Jahre statt. Viele der diesjährigen Veranstaltungen können auch online ab 13:30 Uhr in der Live-Übertragung verfolgt werden.