Produktion kaum erholt – “Zumindest keine starke Abwärtsspirale” | Nachrichten

Posted on

BERLIN (Reuters) – Deutsche Unternehmen steigerten ihre Produktion im April leicht, nachdem sie zuvor aufgrund des Krieges Russlands gegen die Ukraine zurückgegangen waren.

Industrie, Bau und Energieversorger produzierten zusammen 0,7 Prozent mehr als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Von Reuters befragte Volkswirte hatten nach einem Minus von 3,7 Prozent im März mit einem etwas stärkeren Anstieg von 1,0 Prozent gerechnet. Der russische Krieg gegen die Ukraine begann am 24. Februar.

Das Bundeswirtschaftsministerium kommentierte die Entwicklung, dass die deutsche Industrieproduktion derzeit durch den russischen Angriffskrieg gehemmt werde. „Einerseits ist Deutschland als exportorientiertes Land überproportional von Handelssanktionen gegen Russland betroffen“, sagte Ressortleiter Robert Habeck. „Andererseits fehlen wichtige Vorleistungsgüter durch kriegsbedingte Produktionsausfälle und unterbrochene Lieferketten.“

Auch LBBW-Volkswirt Elmar Völker sieht eine positive Seite der Entwicklung. „Zumindest im Moment gerät es nicht in eine starke Abwärtsspirale“, sagte der Experte. „Solange die Situation in der Ukraine nicht erneut eskaliert, ist eine Stabilisierung über den Sommer in Aussicht, aber extrem angespannte Lieferketten werden auf absehbare Zeit eine große Herausforderung bleiben.“

“NIEDRIGES NIVEAU”

Nur die Industrie steigerte ihre Produktion diesmal um 0,3 Prozent, während die Bauwirtschaft gegen den Trend ihre Produktion um 2,1 Prozent reduzierte. Im Energiesektor stieg die Produktion nach einem Rückgang im März um 16,1 Prozent. „Das Produktionsniveau ist noch immer sehr niedrig“, folgert Hauck Aufhuser Lampe Privatbank AG Chefvolkswirt Alexander Krüger aus den Daten.

Die Aussichten sind aufgrund des anhaltenden Krieges düster. In den letzten drei Monaten in Folge gingen bei Industrieunternehmen weniger Aufträge ein. Auch viele Industrieunternehmen melden Engpässe, die sich durch Corona-Lockdowns in China zusätzlich verschärft haben. 77,2 Prozent der Unternehmen klagen über Engpässe oder Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen, stellte das Münchner Ifo-Institut in einer Umfrage unter Unternehmen fest. „Lieferketten stehen unter Dauerstress“, sagt Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe. „Die Schließung von Häfen in China hat die Situation für viele Unternehmen noch schlimmer gemacht.“ China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner.

Nach Angaben des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) haben Staus und Verspätungen in der Containerschifffahrt nun auch die Nordsee erreicht. „Erstmals seit Ausbruch der Pandemie liegen auch Containerschiffe in der Nordsee vor Häfen in Deutschland, den Niederlanden und Belgien fest“, sagen die Forscher. “Derzeit sind fast zwei Prozent der weltweiten Frachtkapazität hier eingeschlossen und können nicht geladen oder gelöscht werden.”

(Berichterstattung von Rene Wagner, bearbeitet von Sabine Ehrhardt; bei Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter [email protected])