Rassismus und Selbstermächtigung: Bremerin feiert mit „Nico“ sein Filmdebüt.

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Interview

Filmszene

Bild: UCM.ONE

Eine junge Frau erlebt unerwartet einen rassistischen Angriff. Der Film „Nico“ zeigt, wie sie geschockt ist, vor allem aber, wie sie ihr Leben wiedererlangt.

Sie ist Schauspielerin, Produzentin und Drehbuchautorin: Sara Fazilat hat gerade den Kinostart ihres Films „Nico“ gefeiert. Der Film ist seine Abschlussarbeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin und das Besondere daran, dass nur zwei Prozent dieser Arbeiten in die Kinos kommen.

Der Film handelt von Nico, einer deutsch-persischen Altenpflegerin, die sich in der Welt sicher fühlt, bis sie einen rassistisch motivierten Angriff erleidet. Dadurch landet er im Krankenhaus und verliert den Glauben an die Menschheit. Der Film zeigt, wie sie darum kämpft, wieder ins Leben zurückzukehren, um das Trauma zu verarbeiten. Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas gelingt es Sara Fazilat, die Geschichte auf eine erhebende und frische Weise zu erzählen.

Frau Fazilat, wie sind Sie auf dieses Material gekommen?
Ich komme eigentlich von der Schauspielerei und habe angefangen, Produktion zu studieren, weil ich die Inhalte mitgestalten wollte. Und für mich war es einfach ein vielfältiges Selbstverständnis, eine vielfältige Erzählung, super wichtig, weil ich es aus dem Bereich der Schauspielerei kenne. Viele Klischees und Stereotypen werden verwendet. Eline Gehring und ich haben zusammen angefangen zu studieren. Irgendwann bin ich auf sie zugekommen und dann habe ich bestimmte Dinge zu ihr gesagt und dann waren wir uns einig: “Ja, wir müssen diesen Film machen.” Dann fingen wir an zu entwickeln und lernten im Laufe des Studiums beim Lovescene-Seminar Francy Fabritz kennen, die unser Kameramann und Co-Autor ist. Wir drei haben uns weiterentwickelt und so ist der Film entstanden.
Eline Gehring, die Regisseurin des Films, erzählte nun, wie der Film wirklich entstanden ist. Er fuhr mit seinem Privatauto, packte die Mädchen ein und stellte sich mit der Soundbar in den Busch, während die Hauptdarstellerin Batterien für die Geräte kaufte. War das wirklich so?
Ja Ja Wir haben in einem kleinen Team gearbeitet. Erstens hatten wir kein so großes Budget und alle Leute, die bei uns gearbeitet haben, haben das ehrenamtlich gemacht. Und gleichzeitig bedeutete es, an vielen Stellen immer wieder neu zu spielen. Es gab Tage, an denen Eline und ich die Maske zusammen gemacht haben. Dann habe ich Bratwürste 30 Stück gebraten, damit wir auf der Kirmes nicht drei Euro pro Bratwurst bezahlen, weil es eine Szene gab, wo wir sie unbedingt als Requisiten gebraucht haben. Und dann habe ich die Drehgenehmigung beantragt und gleichzeitig Verträge verwaltet. Also alles, was Sie als Produzent tun. Aber es gab uns auch eine gewisse Freiheit, die man nicht hat, wenn man an einem großen Set mit all diesen Trailern und fünfzig Leuten ist. Das gibt Ihnen Flexibilität und Freiheit. Alles hat seine Vor- und Nachteile.
Und dann passierte das Unglaubliche: Der Film kommt in die Kinos und hat bereits viele Preise gewonnen. Wie viele bisher?
Zwölf Uhr. Und unter anderem auch in der Schweiz, Österreich und England. Und am Donnerstag war die Verleihung des Deutschen Filmpreises und ich bin nominiert als “Beste Hauptdarstellerin”.
Verrücktheit. Und wie war der Wettbewerb? Es gibt Millionen von Produktionen, richtig?
Ja auf jeden Fall. Einer davon ist „Rabiye Kurnaz“ von Andreas Dresen. Das sind alles tolle Produktionen mit viel Geld und natürlich wunderbaren Kollegen.
Was ist seit dieser Nominierung auf Mobilgeräten passiert?
Es hört nie auf und ich kann auch nicht mithalten. Einerseits tut es mir leid und andererseits denke ich: „Ja, jetzt kann ich auch nicht, ich muss noch die Interviews machen und so“.
Die deutsch-persische Produzentin und Schauspielerin Sara Fazilat von der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin freut sich über den No Fear Award für den Film.
“Nico” hat bisher zwölf Auszeichnungen.

Bild: DPA | Jens Kalaene

Noch eine Frage zum Film. Stichwort: verschiedene Dinge zählen. Sie tun dies auf eine sehr ungewöhnliche und diskrete Weise. Was ist die Idee dahinter?
Die Idee ist einfach, diese Stereotypen zu brechen. Wir haben zum Beispiel eine Szene, in der eine Frau in den Fünfzigern im Park Drogen verkauft. Und das sind Bilder, die wir sonst nicht haben. Ich erzähle diese Szene, auch wenn ich sie etwas vermasselt habe, weil wir Screenings und Q&As hatten, also Fragen und Antworten, die Sie stellen, nachdem der Film gezeigt wurde und das Filmteam antwortet. Es gab Leute, die in der Szene dachten, dass nur die farbige Person die Droge an die weiße Person verkaufen würde. Im Film sahen sie jedoch, dass es umgekehrt war. Und dann zeigt es, was Filme mit uns machen. Dass sich das in unseren Köpfen manifestiert hat und wir immer davon ausgehen, dass es immer diese Person ist, die wirklich die Drogen verkauft und kriminelle Handlungen begeht. Und das kommt mir so schön vor, wenn wir es gebrochen haben, ohne irgendjemanden zu zwingen oder etwas zu diktieren, aber es kommt einem in den Kopf und man merkt „Wow, was für Klischees ich im Kopf habe!“.
Die Idee ist, alles zu zerbrechen, was wir in den Schubladen haben. Aber ist Ihnen als Filmemacher nicht schon aufgefallen „Oh, da sind meine eigenen Schubladen, die muss ich ein bisschen aufräumen“?
Das haben wir natürlich auch. Keiner von uns ist davon frei, daran besteht kein Zweifel. Wir haben ein bisschen damit herumgespielt. Nico hat auch bestimmte Dinge, wo er Dinge anspricht und du denkst: “Ja, ist das jetzt politisch korrekt?” Aber das haben wir alle in uns. Es war uns wichtig, dem weiblichen Cast und Charakteren entgegenzuwirken, die mit fünfunddreißig unsichtbar oder tot oder halbnackt sind. Und deshalb haben wir uns viele Gedanken gemacht, aber wir haben versucht, nicht so sehr aufzufallen, sondern es einfach beiläufig zu erzählen.
Der Film läuft jetzt in den Kinos und am Freitag im Kino Ostertor. Kannst du sie treffen?
Genau, ich werde mit meinem Kollegen Javeh Asefdjah dabei sein, der Rosa spielt. Im Anschluss stehen wir auch für eine Frage-Antwort-Runde zur Verfügung.

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Dieses Thema im Programm:
Bremen Eins, Abend, 12. Mai 2022, 14:10 Uhr