Rezension des Films heute in ARTE

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Rezension des Films heute in ARTE

Alice züchtet Blumen, deren Duft glücklich machen soll. Doch dann werden die „Happy Flowers“ in diesem Sci-Fi-Thriller zu einer echten Bedrohung für die Menschen.

KUNST

Little Joe – Glück ist ein Geschäft

Theater • 11.05.2022• 20:15 Uhr

Wäre es nicht schön, wenn die Menschen ihre wahren Gefühle nicht mehr spüren müssten? Wenn du den ganzen Tag glücklich sein könntest und nur eine Blume gießen müsstest? Ist das ein Glücksversprechen oder ein Albtraum? Die österreichische Regisseurin Jessica Hausner (“Lourdes”, “Amour Fou”) lässt es offen in ihrem ersten englischsprachigen Film, den ARTE nun erstmals zeigt. Als erschreckende Sci-Fi-Horrorgeschichte getarnt, ist Little Joe ein Film über die Unsicherheiten von heute.

In einer eng gefassten, geordneten futuristischen Welt züchten die alleinerziehende Mutter Alice (Emily Beecham) und ihr Kollege Chris (Ben Whishaw) gentechnisch veränderte Pflanzen, deren Duft glücklich macht. Die Blüten scheiden das Hormon Oxycotin aus, das auch für die Mutter-Kind-Bindung eine entscheidende Rolle spielt. Diese „Happy Flower“ soll Menschen glücklich machen und die Boxen im Labor zum Klingen bringen.

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Alice nennt die Pflanze zu Ehren ihres Sohnes “Little Joe” und nimmt eine für ihn mit nach Hause. Aber das hätte er nicht tun sollen: Big Joe verändert sich, ebenso wie jeder andere Mensch und jedes Tier, das mit der bedrohlich knallroten Blume in Berührung kommt. Nicht nur Alicia weiß, dass jedes Glück seinen Preis hat. Denn Pflanzen scheinen nicht nur einen eigenen Willen zu haben, sondern brechen auch den ihrer Wirte. Aber sollte man sich vor dem Glück wehren?

Das Grauen ist unsichtbar und doch spürbar.

Unmerklich und unaufhaltsam bricht bei Jessica Hausner das Grauen aus. Sie muss es ihm nicht einmal zeigen, sie braucht keine Monster, sie braucht keine gruseligen Bilder. Das Grauen sind die Unsicherheiten im Kopf, die veränderten Wahrnehmungen, die aufkommenden Fragen. „Little Joe“ ist ein meisterhafter Film, der sich alle Freiheiten nimmt, in Form, Struktur und Bild, und die Gegenwart in vielen Facetten so gekonnt widerspiegelt, dass man es zunächst gar nicht wahrnimmt, dann aber doch zweifelt.

Die Kamera versucht, die Bedrohung einzufangen, obwohl sie unsichtbar ist. Es zoomt in Bilder hinein und lässt Menschen aus ihnen verschwinden. Suchen Sie wie ein Ermittler nach Details und Hinweisen. Sie müssen selbst entscheiden, was wichtig ist und was nicht. „Man findet nur, was man sucht“, sagt ein alter Laborant, dessen Hund eines der ersten Opfer der Pflanzen war. Bluttests an der Leiche ergaben keine Auffälligkeiten, aber die Persönlichkeit des Tieres war verändert.

Regisseur Hausner fragt nach den Folgen vermeintlichen Fortschritts, ohne ihn zu verteufeln, aber auch nach dem Wesen des Glücks, dem Menschen wild nachjagen, ohne es erkennen zu können. Wer mit „Little Joe“ in Berührung kommt, wird zur Figur in einem Stück, in dem man sich selbst spielt und längst die Kontrolle über sein eigenes Leben verloren hat. Kommt Ihnen das Geräusch bekannt vor?

Little Joe – Glück ist ein Geschäft – Mittwoch 11.05. – KUNST: 20:15 Uhr



Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH