Schnelles Geld im Internet? Wie zwielichtige Unternehmen mit leeren Versprechungen locken

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Das Internet verspricht viel, von Information über Unterhaltung und Austausch bis hin zur Befriedigung anderer Bedürfnisse. An manchen Kurven geht es aber vor allem um schnelles Geld. Prädestiniert dafür sind soziale Netzwerke, in denen sogenannte Network-Marketing-Unternehmen mit allerlei monetären Verlockungen werben. Eine sehenswerte ZDFinfo-Dokumentation, die die dubiosen Machenschaften aufdeckt, zeigt, dass einige von ihnen in rechtliche Grauzonen vordringen. Der Film „Online schnell Geld verdienen – Influencer, Netzwerke und leere Versprechungen“ (Donnerstag, 12. Mai, 20.15 Uhr) zeigt, wie Unternehmen vom großen Glück und Geld schwärmen – und sich dabei oft an den Rand der Legalität bewegen.

Aber worum geht es? Network Marketing unterscheidet sich vom beliebten Direktvertrieb dadurch, dass Kunden zu selbstständigen Vertriebsmitarbeitern werden, die wiederum neue Kunden werben müssen. Produkte gibt es nur über persönliche Empfehlungen – wer Neukunden anwirbt, erhält eine Provision.

Die Versprechen dahinter sind genial, wie der Film von Christoph Brügmann und Nera Smiljanic thematisiert: Als Verkäufer werden Rekruten zu Influencern auf gängigen Social-Media-Kanälen, von Facebook bis Instagram, und mit flexiblen Arbeitszeiten, leichtem Geld und einem Leben voller Zufriedenheit angezogen . Rekruten geben die attraktiven Perspektiven an potenzielle neue Mitglieder weiter. Es entsteht eine Kette von (meist leeren) Versprechungen.

Unternehmen können jetzt soziale Medien nutzen, um Menschen anzusprechen, die sie sonst vielleicht nicht erreicht hätten. Dies geschieht vor allem durch die relativ neuen „Aktivitäten“ von Influencern, die die Früchte ihres Network Marketings auf TikTok, YouTube und Co – große Autos, große Villen, glitzernde Partys und Reisen zu exotischen Orten – in äußerst peinlichen Videos zur Schau stellen. meist männliche Recruiter mit der Zielgruppe erwachsener Zuschauer eher aus fremder Verlegenheit: „Wenn wir alle das können, dann kannst du es auch“, verführt ein Motivationscoach in einem Video; andere organisieren gigantische Veranstaltungen für ihre “Mitglieder”.

Und doch scheint es zu funktionieren: „In dieser Vorbildfunktion sind sie ideal für das Advertising Network Marketing“, spricht Claudia Groß von der Nijmegen School of Management im Interview über Influencer. „Der Mond wird in Verkaufsgesprächen versprochen. Und leider gibt es nicht genug Verantwortung für das, was versprochen wurde.

“Wenn sie dir so etwas sagen, solltest du besser skeptisch sein”

Egal ob Erstattungskarten oder Nahrungsergänzungsmittel: Das Geschäftsmodell wird als äußerst lukrativ verkauft; Von dem Erfolg sollen alle profitieren, natürlich erst nach dem Kauf der sogenannten „Starter-Sets“. In Wirklichkeit, wie die Doku in Gesprächen mit Experten und Betroffenen zeigt, verlieren die meisten der geworbenen „Mitglieder“ viel Geld. Hauptgrund ist die Unternehmensstruktur: Weil die Mitglieder autonom sind, haben Unternehmen laut Claudia Groß immer die Möglichkeit zu sagen: „Da hat sich jemand nicht an unsere Verhaltensregeln gehalten!“ Der Experte sagt: „Was auf dem Papier steht, klingt toll und ist rechtlich korrekt, aber was tatsächlich passiert, ist etwas ganz anderes.“

Auch wenn Network Marketing grundsätzlich legal ist, stehen einige der Unternehmen kurz vor progressiver und illegaler Kundenwerbung, wie der Film zeigt. Ein solches System sei immer dann illegal, wenn es darum gehe, neue Mitglieder zu werben, erklärt Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum. Dabei handelt es sich hauptsächlich um verbotene „Schneeballsysteme“.

„Die drängen einen dazu, sich Leute zu suchen, davon profitieren alle mehr“, erklärt einer der Betroffenen im Interview und erläutert in einer Art „ Blankovollmacht”. Nicht konforme Mitglieder würden einfach als „schwarze Schafe“ interpretiert.

„Leider gibt es so viele schwarze Schafe“, sagt Claudia Groß, „dass klar ist, dass eigentlich das System das Problem ist.“ Die Doku zeigt eindrucksvoll, dass die Behörden in Deutschland kaum Kenntnis und wenig Kontrolle darüber haben, wie das Geschäftsmodell ausgenutzt wird. „Es gibt einfach keine Heilung für fragwürdige Network-Marketing-Praktiken“, heißt es in der Dokumentation lapidar. Der Film schließt mit einem Ratschlag, den Sie wahrscheinlich beherzigen sollten: „Geld, Freiheit, Glück und nicht viel Arbeit.

Die ZDFinfo-Dokumentation „Online schnell Geld verdienen: Influencer, Netzwerke und leere Versprechungen“ läuft am Donnerstag, den 12. Mai um 20:15 Uhr auf ZDFinfo. Der Film von Christoph Brügmann und Nera Smiljanic wird zwei Jahre lang in der ZDFmediathek verfügbar sein.

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