Soy Zlatan Review: Kick It Like Ibra

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Soy Zlatan Review: Kick It Like Ibra

Die Frage nach dem besten Spieler seit der Jahrtausendwende entscheidet sich für viele Fußballfans allein zwischen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Nach Meinung des Autors dieser Zeilen sollte aber noch ein dritter Akteur in Betracht gezogen werden: Zlatan Ibrahimović! Als der Stürmer 2011 im Alter von nur 30 Jahren seine Biografie „I am Zlatan“ veröffentlichte, wurde sie in seiner schwedischen Heimat auf Anhieb zum Bestseller. Ende 2017 wurde die Zahl der dort verkauften Exemplare auf etwa 800.000 geschätzt. Bis dahin hatte etwa jeder 13. der rund 10,5 Millionen Einwohner des Landes das Buch gekauft. Kein Wunder, dass der Bestseller schließlich verfilmt wurde.

Der Journalist und Romancier David Lagercrantz, der damals gemeinsam mit dem Sportler die Biografie schrieb, fungierte nun als Drehbuchautor und sorgte so dafür, dass die Filmbiografie „Ich bin Zlatan“ bleibt nah an Ibrahimovićs eigener Sichtweise. Die Inszenierung übernahm derweil der schwedische TV-Regisseur Jens Sjögren (“Hanna Svensson – Blutsbande”), der den Film größtenteils geradlinig und ohne viel Tamtam inszenierte. In den Fußballszenen zeichnet sich sein Film jedoch durch eine schöne Dynamik und Authentizität aus.

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Zlatan Ibrahimović wurde als Sohn bosnischer Einwanderer im schwedischen Malmö geboren und wuchs im Krisenviertel Rosengård auf. Die Eltern (Cedomir Glisovic, Merima Dizdarevic) lassen sich früh scheiden und kämpfen beide mit ihren eigenen Problemen. Neben dem widerwilligen Schulbesuch und seinem turbulenten Familienleben verbringt der Junge (Dominic Andersson Bajraktati) jeden Tag auf Fußballfeldern oder trainiert die örtliche Jugendmannschaft. Zlatans Trainer erkannten früh sein Ausnahmetalent, sein Durchsetzungsvermögen, sein Ballgefühl und seinen Instinkt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Allerdings legt er sich durch seine laxe Disziplin und übertriebene Aggressivität immer wieder selbst Steine ​​in den Weg, nicht nur auf dem Fußballplatz.

Das änderte sich auch nicht, als ihn der Profiklub Malmö FF als Teenager verpflichtete (jetzt Granit Rushiti). Immer wieder hat er Stress mit dem Trainer (Håkan Bengtsson) oder Mitspielern, auch gerät er wegen Vandalismus und Diebstahl mit dem Gesetz in Konflikt. Seine Leistungen auf dem Platz sind jedoch so überragend, dass ihn Europas Spitzenklub Ajax Amsterdam trotzdem in die Niederlande holt. Aber auch hier kollidierte er mit dem Trainer (Gijs Naber) und seinen Teamkollegen. Dort trifft er auf den italienischen Sportagenten Mino Raiola (Emmanuele Aita), der Ibra eines klarmacht: Wenn er nur ernsthaft an sich arbeiten würde, könnte er einer der besten Fußballer des Planeten werden…

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Schon als Kind stand Zlatan Ibrahimović jeden Tag auf dem Fußballplatz.

Wer einmal die deutsche Fernsehserie „Manni, der Libero“ gesehen hat, wird sich daran erinnern, wie erbärmlich schlecht die Fußballszenen inszeniert und inszeniert wurden. Die Momente auf dem Sportplatz wirkten deshalb so „fake“, weil sie komplett durchchoreographiert waren und dadurch furchtbar statisch wirkten. Außerdem war der damalige Teenager-Herzensbrecher und Titelstar Tommi Ohrner offensichtlich alles andere als ein begnadeter Techniker in rundem Leder. Deutlich talentierter sind die beiden Neuzugänge Dominic Andersson Bajraktati und Granit Rushiti, die als Kind bzw. Jugendlicher Zlatan spielen. Gleiches gilt für Nebendarsteller und Komparsen, mit denen sie im Feld stehen. Anscheinend hat Regisseur Sjögren sie alle aufgrund ihrer fußballerischen Fähigkeiten ausgewählt. Daher konnte ich sie normalerweise nur spielen lassen: Ich hielt die Kamera und überlegte erst dann, wie ich die Bilder am besten bearbeiten könnte, damit sie zur Geschichte passen.

Abseits des Feldes werden die Ereignisse, die zu Ibrahimovićs Aufstieg zum Star führten, nicht streng linear erzählt. Stattdessen springen wir zwischen Momenten mit Kind und Teenager hin und her. Was zunächst etwas verwirrend und manchmal sogar willkürlich erscheint, ist letztendlich eine sinnvolle Wahl. Denn wir sehen Parallelen im Verhalten des Protagonisten in verschiedenen Lebensabschnitten: seiner scheinbar unverbesserlichen Sturheit, seinen Wutanfällen, seiner notorischen Langsamkeit und seiner, wie der echte Ibra offen zugibt, wohl angeborenen Faulheit. Weder sein Vater, noch seine Lehrer oder mehrere Trainer schaffen es, sein volles Potenzial während des gesamten Films auszuschöpfen. Er muss immer selbst sehen, dass weniger talentierte Leute bekommen, was er will: einen Aufstieg in die erste Mannschaft, ein Angebot von einem besseren Verein, ein Date mit einem Mädchen, das ihm gefällt, bevor er schließlich handelt und sein Verhalten anpasst.

Nach dem Anfang ist das Ende

Auch das Hin und Her zwischen Ibrahimovićs Kindheit, die dem Publikum weitgehend unbekannt ist, und seinen Engagements bei seinen ersten Profimannschaften Malmö und Ajax, die zum Allgemeinwissen eines Fußballfans gehören, begeistert den Film zusätzlich. Die Story von „I am Zlatan“ wirkt an vielen Stellen sehr dünn. In den 100 Minuten, die mit dem Wechsel von Ibrahimović zu Juventus Turin endeten, gab es mehrere Hinweise auf spätere Entwicklungen in seiner Karriere.

Als Fan kennt man natürlich Ibras Kampfsport und sein Faible für die Boxlegende Muhammad Ali; des Streits mit dem Ajax-Spieler und späteren HSV-Profi Rafael van der Vaart; seiner beiden italienischen Meisterschaften mit Juventus, die später wegen Korruption im Sitzungssaal des Clubs widerrufen wurden. Wir wissen, wie sich der selbsternannte „Fußballgott“ später in Barcelona mit Manager Pep Guardiola überwarf, was zu seinem Rauswurf führte, oder wie er halb Paris dazu brachte, sich in ihn zu verlieben, während die andere Hälfte ihn hasste. Aber das spielt hier (noch) keine Rolle.

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Auch bei seinem ersten Eliteklub Ajax Amsterdam schlägt Zlatan Ibrahimović (Granit Rushiti) trotz Trainerstress ein wie eine Bombe.

In der deutschen Synchronfassung ist von Anfang an Ex-Sky-Man Marcel Reif zu hören, der im Stile eines Live-Reporters die nachgestellten Szenen des Spiels kommentiert. Aber “I Am Zlatan” braucht diese Art von Stuntcasting eigentlich nicht. Das Jock-Biopic zeigt dezent, wie aus einem Underdog ein Megastar wird, ohne jedoch dem Thema etwas Nennenswertes hinzuzufügen oder nachdenklicher auf die Gründe für das oft rüde Verhalten des Protagonisten einzugehen. “so ist er“ scheint die letztendlich etwas flache Erklärung des Drehbuchs zu sein.

Ibra-Fans werden hier trotzdem ihren Spaß haben, nicht zuletzt wegen der Leistung der beiden jungen Schauspieler, die ihn vor der Kamera spielen: Vor allem Rushiti zeigt echtes Charisma und kommt seinem Vorbild überraschend nahe. Wer Swede und seine laute, arrogante Art zu sprechen nicht mag, oder vielleicht gar nicht genau weiß, wer der Typ ist, wird es aber wirklich nicht vermissen, wenn er den Film auslässt. Vielleicht möchten Sie sich zuerst einige Clips seiner Auftritte auf dem Feld ansehen und dann vielleicht irgendwann zu I Am Zlatan zurückkehren.

Fazit: Ein größtenteils genretypisch gewebtes Biopic über einen eher untypischen Sportler. Fans des schwedischen Superstars werden es genießen zu sehen, wie für ihn alles begann. Eine zufriedenstellende Erklärung für sein oft zweifelhaftes Aussehen sollte jedoch nicht erwartet werden.

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