Tilda Swinton zu Besuch in Zürich

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Kino – Schauspielerin, Regisseurin, Produzentin und Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton besuchte am Dienstagabend das Filmpodium in Zürich. Dabei sei sie gar keine Schauspielerin, erklärte die Schottin im Interview.

Wann und wie Tilda Swinton für den Film aufs Podest steigen werde, werde auf keinen Fall bekannt gegeben, teilte eine Filmpodium-Mitarbeiterin ihrer Kollegin mit, weder Fans noch Medienvertreter. Und als auch das Filmen und Fotografieren im Raum verboten wurde, schien es zunächst, als würde man von diesem Abend nichts mit nach Hause nehmen als die bloße Erinnerung an einen einzigartigen Moment.

Als der Stargast des Abends Hand in Hand mit Filmpanel-Leiterin Nicole Reinhard das Theater betrat, war schnell klar: Diesen Menschen in seiner vollen Präsenz auf Handyfilm festzuhalten, war unmöglich. Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch sprach ganz treffend von “Swintonismus”, als sie die Schauspielerin als langjährigen Fan entlarvte und sie für ihre Fähigkeit lobte, “jede Gelegenheit zu ergreifen, um noch mehr Freiheit zu erlangen”. Der Moderator der anschließenden Diskussion, WOZ-Kulturredakteur Florian Keller, einigte sich mit Swinton auf den Begriff „Swintonianer“ für alle Anwesenden.

Die Worte der Bewunderung, diese kollektive Anbetung ihrer Person, schienen Tilda Swinton wirklich zu gefallen. Und sie erwiderte die Liebe, indem sie die Moderatorin in ihren Antworten namentlich ansprach und sich nach dem Gespräch viel Zeit für Autogramme, Selfies und persönliche Worte nahm. Zum Beispiel für zwei Filmstudenten, die er ermutigte, ihre Kunst nie aufzugeben. Oder einer Frau erzählte er die Geschichte eines Fotos in einer scheinbaren Sonderausgabe des Romans “Orlando”, für das er gebeten wurde, ein Autogramm zu geben.

der ewige Besucher

Tilda Swinton, die 1986 ihr Debüt in Derek Jarmans „Caravaggio“ gab und seither mit Filmemachern wie Sally Potter, Spike Jonze, Jim Jarmusch und Pedro Almodóvar zusammengearbeitet hat, trat an diesem Abend nicht als Star auf. Sie sei nicht einmal Schauspielerin, sagte die 61-Jährige während des Gesprächs. „Ich weiß nichts über Schauspielerei und ich will ehrlich gesagt auch nichts darüber wissen.“ Die Arbeit würde ihr keinen Spaß mehr machen, wenn sie zu viel über Regeln und Techniken wüsste.

Und spielte damit indirekt auf die Aussage von Corine Mauch an. An die Freiheit, die man sich immer in allem genommen hat, nur das zu tun, was er will. Viele Menschen sind verzweifelt danach. Vor allem diejenigen, die vergeblich versuchten, Swinton für ihre Filmprojekte zu besetzen. Eine Casting-Agentin fragte einmal, „ob diese Tilda Swinton jemals etwas tun würde, was sie nicht tun wollte“, sagte die Schauspielerin. Sie ist stolz auf diese Geschichte. “Das ist es, worum das Kino gebeten wird: etwas tun, was man nicht tun will.”

Nein, sie sehe sich definitiv nicht als Teil der Branche, sagte sie. „Ich sehe mich eher als ständigen Besucher der Kinowelt.“ Sie ist mit ihrer Familie, ihrem Garten und ihren Bäumen verbunden, aber nicht mit dem Filmgeschäft. Obwohl er in so ziemlich jeder erdenklichen Funktion aufgetreten ist und bei den Filmfestspielen von Cannes „so ziemlich alles außer Teppichputzen“ gemacht hat.

Wiedersehen

Die Oscar-Preisträgerin sprach auch über einzelne Filme, ihre Rollenwahl und wie es war, die Charaktere zu spielen. Allen voran „Orlando“ (1992 / Regie Sally Potter), mit dem sie mehr denn je in Verbindung gebracht wird. Die Geschichte, die auf dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf basiert, handelt von Orlando, einem Adligen, der niemals altert und dessen Geschlecht sich ändert.

Tilda Swinton glaubt jedoch, dass es in diesem Film mehr um die Freiheit geht, die sie so sehr liebt, als um die heute so aktuelle Geschlechterfrage. Dem Autor ging es also weniger um die Unterscheidung zwischen Mann und Frau als um die Beständigkeit, das ewige Leben Orlandos.

Diesen Frühling war im Fotomuseum Winterthur eine von Tilda Swinton kuratierte Ausstellung mit dem Titel „Orlando – nach einem Roman von Virginia Woolf“ zu sehen. Laut der Schauspielerin bedauert sie, nicht dabei sein zu können. Im Gegenzug versprach er am Ende von „Evening with Tilda Swinton“, bei nächster Gelegenheit wieder auf das Kinopodium zurückzukehren.