WDH/ROUNDUP 2/Debatte um den 9-Euro-Schein: Forderungen und Skepsis | Nachrichten

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(Im zweiten Satz des vierten Absatzes richtig: 2,5 Milliarden.)

BERLIN (dpa-AFX) – Kundencenter sehen die geplanten 9-Euro-Monatskarten für den öffentlichen Nahverkehr (PNV) als Chance, fordern aber grundlegende Verbesserungen. Bundesverbands-Mobilitätsexpertin Marion Jungbluth sagte der Deutschen Presse-Agentur, das bundesweit gültige Ticket könne als „Booster für Busse und Bahnen“ wirken. Bisher schreckten die komplizierten Gebühren viele ab. Der Bund muss dafür sorgen, dass Fahrkarten- und Beförderungsbedingungen grundsätzlich vereinheitlicht werden.

Im Juni, Juli und August sind die Sondertickets für bundesweite Fahrten im Nah- und Regionalverkehr für 9 Euro im Monat und damit deutlich günstiger als normale Monatstickets. Das ist Teil des Hilfspakets, mit dem die Ampelkoalition auf die hohen Energiepreise reagiert. Gleichzeitig soll es als Testangebot mehr Kunden für Busse und Bahnen gewinnen.

Der Bund finanziert das Projekt, indem er den Ländern 2,5 Milliarden Euro als Ausgleich für Einnahmeausfälle zur Verfügung stellt. Das dafür erforderliche Gesetz wurde am Donnerstagabend im Bundestag vorgestellt. Es soll nächste Woche verabschiedet werden. In erster Lesung äußerte sich die Opposition jedoch stark skeptisch.

CDU-Abgeordneter Michael Donth bezweifelte eine nachhaltige Lenkungswirkung. Statt den ÖPNV durch verbesserte Angebote attraktiver zu machen, gibt die Bundesregierung 2,5 Milliarden Euro für einen „Marketing-Gag“ aus. Der AfD-Abgeordnete Mike Moncsek sagte, es handele sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht um einen “Fehler”. Reisende müssen künftig um ihren Platz in überfüllten Zügen fürchten.

Von einem Schritt in die richtige Richtung sprach hingegen der linke Bundestagsabgeordnete Bernd Riexinger. Allerdings sei die dreimonatige Befristung “abzuraten und lauwarm”. Die Linke fordert 9-Euro-Scheine “mindestens bis Ende dieses Jahres”. Verbraucherschützer Jungbluth warnte davor, dass Kapazitätsengpässe vor allem im Sommer bei der Verlagerung von Ausflügen vom Auto auf Bus und Bahn zu Engpässen führen könnten. “So könnte das Probeangebot zu einem Abschreckungsangebot werden.”

Mit Blick auf eine voraussichtlich erst zu einem späteren Zeitpunkt in Kraft tretende Aussetzung der Ölimporte aus Russland riet er, den Fahrplan zu überdenken. „Eine Verschiebung wäre also sinnvoll. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Erleichterungen durch den 9-Euro-Schein und den Spritrabatt genau dann auslaufen, wenn die Spritpreise wegen des Embargos in die Höhe schießen.“ Auch die Verkehrsunternehmen könnten frühestens im Herbst das Angebot erhöhen und die Frequenz erhöhen.

Der Gesetzentwurf von SPD, Grünen und FDP, der jetzt im Bundestag beraten wird, regelt die Finanzierung. Konkret werden die „Regionalisierungsmittel“, mit denen Länder und Verbände Verkehrsangebote bei Anbietern anfordern, um 3,7 Milliarden aufgestockt: Neben den 2,5 Milliarden für Monatskarten zu 9 Euro sollen weitere 1,2 Milliarden die Corona-Einbußen ausgleichen Pandemie. Die Bundesregierung stellt in diesem Jahr bereits 9,4 Milliarden Dollar an Regionalisierungsmitteln bereit. Außerdem gibt es eine weitere Milliarde von einem anderen finanziellen Jackpot./sam/DP/he