Würde ist wie Wasser: Oberstdorfer Künstler interviewt Flüchtlinge – Neues aus Immenstadt

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In ihrem Film „Weiter so – Menschenwürde jetzt“ lässt die Oberstdorfer Künstlerin Veronika Dünßer-Yagci Flüchtlinge Geschichten erzählen. Der Dachboden zeigt die Arbeit.

„Heute wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass eines Tages auch alle Frauen und Männer die Freiheit bekommen, die sie erwarten“, sagt eine Frau aus Afghanistan. Es ist eines der einfachen und bewegenden Statements, die Veronika Dünßer-Yagci für ihren Dokumentarfilm „Keep On Going – Human Dignity Now“ eingefangen hat. der Künstler war Oberstdorf präsentiert die Dokumentation am Freitag, 27. Mai um 20:00 Uhr im Oberstdorfer Loft. Dort stellt der 57-Jährige den Film vor und spricht nach der Vorführung mit den Stars. Unter ihnen ist ein Arzt, der Flüchtlinge in Kempten behandelt.

schockierende Aussagen

Kempten ist auch der Ausgangspunkt für dieses Filmprojekt von Veronika Dünßer-Yagci. Hier leben die meisten der drei Frauen und drei Männer aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, von denen die Künstlerin in ihrer Dokumentation erzählt. Er wollte in seinem Film vor allem die Möglichkeit geben, mit Menschen zu sprechen, die besonders gut darin sind, aus eigener Erfahrung über das Thema Menschenwürde zu berichten. Veronika Dünßer-Yagci erklärt, sie habe schockierende Aussagen gehört. Menschen sind aus Syrien geflohen, weil sie dort ihrer Würde beraubt wurden. Aber auch im Irak fühlen sie sich als ungeliebte Flüchtlinge.

„Wir werden immer die Bösewichte sein“

Aber auch in Deutschland spüren Männer aus der arabischen Welt ihnen gegenüber ein latentes Misstrauen, berichtet Veronika Dünßer-Yagci und zitiert einen syrischen Flüchtling aus Düsseldorf: „Wir werden immer die Schurken sein.“ wie der Filmemacher sagt. Doch ein Mann, der sich hier in der Region wohlfühlt, beschreibt die Probleme bei der Wohnungssuche: „Vorher ist immer alles gut“, aber sobald er seinen Namen sagt, „haben wir keine Chance mehr“, berichtet er. Ein anderer Flüchtling beschreibt seine Erfahrungen als Versuch, Rassismus überall zu bekämpfen, doch Rassismus sei auf dem Papier weit verbreitet: Seine Dokumente enthalten den Zusatz: „Es ist nicht ganz sicher, ob die Daten glaubwürdig sind.“

Gespräche über den Krieg

Aber es gebe auch spannende und positive Entwicklungen, sagt Veronika Dünßer-Yagci. So fand eine Pflegepraktikantin Zugang zu den Bewohnern des Heims, indem sie mit ihnen über den erlebten Krieg in Syrien sprach. Und die Bewohner des Heims begannen mit ihm über den Zweiten Weltkrieg zu sprechen, den sie ihrerseits miterlebt hatten. Das Beispiel zeigt, dass es wichtig ist, sich auszutauschen: Unterschiedliche Fluchterfahrungen werden zu gemeinsamen Notfällen und schaffen Verbindungen.

Drehort der Skiflugschanze in Oberstdorf

Veronika Dünßer-Yagci lässt ihre Protagonisten hemmungslos erzählen. Aber sie verwendet besondere Orte und Metaphern. So entstand ein Teil des Films auf der Oberstdorfer Skipiste. Denn so wie der Skispringer nur in eine Richtung fliegen kann, gibt es im Leben des Flüchtlings oft nur eine Richtung. Der Wunsch, sich aus dieser Situation zu befreien, wird im Film durch einen Industriekletterer symbolisiert, der sich vom Hang abseilen lässt.

“Wie kannst du auf die ganze Welt schauen?”

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Ein weiterer Standort war das Haus der Regulierungsbehörde in Kempten, ein ehemaliges Pumpwerk. Wasser sei in ihrem Film eine wichtige Metapher für die Menschenwürde, erklärt Veronika Dünßer-Yagci: Es könne sich durch jede Ritze ausbreiten und große Kraft entfalten. Beiträge von drei externen Filmemachern ergänzen die Dokumentation und Erfahrungsberichte eines Kemptener Arztes im Einsatz für Flüchtlinge. Vor allem aber bleiben die Erfahrungen und Einschätzungen der Flüchtlinge selbst eindringlich: Die Frau aus Afghanistan fragt: „Wie kann die ganze Welt sehen, was in Afghanistan passiert? Und nicht nur die ganze Welt, sondern auch meine ganze Familie?

Filmabend: „Weiter so – Menschenwürde jetzt“, Dokumentarfilm von Veronika Dünßer-Yagci, Freitag, 27. Mai, 20 Uhr, Loft Oberstdorf, mit Einführung und anschließender Diskussion.

Die Künstlerin Veronika Dünßer-Yagci aus Oberstdorf.

Der Oberstdorfer Schlag.

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