X Review – Autor: ProfessorX

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X Review – Autor: ProfessorX

Bewertung: 3,5 / 5

Ende der 1970er-Jahre wollte ein Filmteam aus dem Süden der USA auf einer abgelegenen Farm Pornografie drehen. Die Gruppe besteht aus Manager Wayne Gilroy (Martin Henderson), Regisseur RJ (Owen Campbell), seiner Freundin Lorraine (Jenna Ortega), dem Schauspieler Jackson Hole (Scott Mescudi), der Stripperin Maxine (Mia Goth) und Bobby-Lynne (Brittany Snow). ). Auf der Farm erzählt er seinen Gastgebern Howard (Stephen Ure) und Pearl (ebenfalls Mia Goth) nichts von seinem Plan, aber bis die Nacht hereinbricht und sie es selbst herausfinden.

Ein unausgesprochenes Gesetz in Slasher-Filmen besagt, dass Gewalt über die Grenzen des Erträglichen hinausgehen muss. Wie viele Diskussionen haben wir über die Auswirkungen von Gewalt auf das Verhalten von Kindern und Jugendlichen geführt. Die Ballerspiel-Debatte, die erzkonservative Hobbypsychologen gerne alle paar Jahre auspacken, findet sich auch im Kino immer wieder. Zum Glück meistens ironisch. Aber wenn Sie etwas wissen, dann ist klar, dass alles schon einmal passiert ist und alles wieder passieren wird. Natürlich ist der Anspruch klar, denn man will alles überwinden und das stimmt auch einigermaßen. X auch, dass es im Kern eine völlig intelligente Geschichte erzählt, aber nicht so intelligent, wie es gerne wäre. Dasselbe gilt für die Gewalt, die im heutigen Kino an Attraktivität verloren hat. Denken Sie nur an die frühen Slasher, wie Halloween – Die Nacht des Schreckens (1978), Albtraum – Killerträume (1984), oder auch Schrei – Schrei! (neunzehn sechsundneunzig). Doch heute ist alles ein bisschen anders, vorbei sind die Zeiten, in denen Charaktere wie Freddy Krueger mit ihrem bloßen Aussehen und einigen knarrenden Türen überraschen konnten. Und das spürt man in der Revival-Phase des Slasher-Kinos. Es gibt keinen Platz mehr für karikaturistische Gewalt, völlig unbeholfene Killer oder lachende Monster. Halloween tötet (2021) und Schrei (2022) haben dies bereits getan. Alles wird durch Gewalt in unnötige Schwere getrieben, auch er selbst. X kann sich nicht zurückziehen. Und das ist hier besonders problematisch, denn die Geschichte einer mordenden Großmutter wirkt nicht besonders authentisch. Mit anderen Worten, der Film tauscht Hyperrealismus gegen Humor und macht seine eigene Arbeit noch unglaublicher.

Der Film verwendet die üblichen Slasher-Gesten. Hier ist eine Gruppe relativ junger Leute, die sich völliger Lust hingeben, von ihrer Umgebung nicht besonders beeindruckt sind und dann getötet werden. aber es tut X auch schlecht, wenn die Arbeit darauf reduziert wird. Zunächst einmal ist der Film handwerklich wirklich gut gelungen. Der Film braucht genau so lange, wie er braucht, um die Besetzung der Figuren festzulegen und den Zuschauer an sie zu binden. Natürlich sind nicht alle nett. Aber wenn Charaktere von ihrem Vietnamkriegstrauma erzählen, einer schüchternen und gehemmten Entwicklung unterliegen oder einfach nur den grotesken Traum haben, ein großer Künstler zu werden, dann ist das schon was. Und gleichzeitig eröffnet der Film mehrere Ebenen, die der Interpretation bedürfen. Auf der einen Seite ist es natürlich bezeichnend, dass ein dunkelhäutiger Mann, der vielleicht nicht gerade die besten wirtschaftlichen Verhältnisse hat, in einem sinnlosen Krieg kämpfen musste. Normalerweise sind es diese Leute in Amerika. Auf der anderen Seite haben Sie einen visionären Regisseur, der im Stil von Kindern ist Super 8 (2011) lebt seinen eigenen Traum von großer Kunst. Ein Porno mit Anspruch. Die Figur von RJ Nichols, gespielt von Owen Campbell, könnte man als Träumer bezeichnen. Über seinen Anspruch auf eine eigene Kunst lässt sich natürlich streiten. Schließlich würden sich aufgrund der Handlung nur sehr wenige echte Pornos ansehen. Es hat eine Arroganz und gleichzeitig wirkt es ein bisschen parodistisch in Bezug auf diese Unternehmensprediger, die sich heute selbst darstellen und wie Influencer gehen. Wenn man sich den Kontext ansieht, in dem der Film spielt, findet man auch eine Kritik an der oft romantisierten Vorstellung von New-Hollywood-Giganten in Aktion. Aber vielleicht ist das auch zu viel des Guten.

Aber es ist klar, dass in X ein Generationenkonflikt steht im Vordergrund. Wenn du auf einem Bauernhof Pornos drehst, dreht sich viel um Nacktheit und Fleischlust. Hier ist ein typisches Slasher-Thema über die Folgen von Nacktheit und Sex. Es endet immer mit dem Tod. Menschen, die miteinander verkehren, müssen sterben. So gesehen ist der Slasher eigentlich ein Plädoyer für den scheinheiligen amerikanischen Konservatismus, wonach Sex nur in der Ehe und idealerweise nur zum Zwecke der Zeugung stattfinden darf. Der ständig rennende und wütende Fernsehprediger untermauert dies noch einmal. Und das funktioniert auch X ein bisschen strafbar, weil man hier zwar das Highlight noch erleben kann, aber den Rest nicht erleben kann. Der Konflikt zwischen Alt und Jung ist nicht besonders subtil, denn auch Pearls Figur macht sich Sorgen, endlich wieder Sex haben zu können. Aber sie ist alt und einfach nur grotesk anzusehen. Sehr schlechte Möglichkeiten für Sex. Der Film schafft aber auch ein zusammenhängendes Motiv für das, was zwangsläufig passieren muss. Von Horrorfilmen und Slashern kann man selten etwas erwarten, das nicht in irgendeiner Form von interner Logik weit hergeholt ist. Außerdem versteht der Film ihr Problem nicht bis zu dem Punkt, an dem er den Pseudo-Intellektuellen sowieso nur eine Art Befriedigung verschaffen könnte.

Außerdem ist die gesamte Arbeit von Ti West ziemlich gut organisiert. Abgesehen von der Gewalt schafft er es den Zuschauer lange in der Spannung zu halten und die Eskalation funktioniert wirklich gut, weil man die Charaktere erst einmal kennenlernt. Auch die individuellen Vorahnungen im Film oder das Spiel mit Licht und Ton sorgen dafür, dass der Film immer abwechslungsreich und spannend bleibt. es ist wie es ist X werden auch zu einem Werk endloser Horrorfilmzitate. In diesem Sinne fügt sich das Werk natürlich in seine eigene Zeit ein. Von Psychopath (1960), oben Blutgericht in Texas (1974) bis funkelnd (1980) verbindet das Werk auf seine Weise Bezüge zu sehr unterschiedlichen, aber sehr guten Horrorfilmen. Aber das Kino ist reine Verabredung X weit gefehlt, denn er bringt gekonnt seine eigene Zeit in den Vordergrund. Und warum das Jahr 1979 so storyzentriert ist, ist natürlich eine Frage, die wiederum eine Interpretation bleibt. Man kann hier nur spekulieren, aber vielleicht will West sogar das seit den 2010er Jahren in Hollywood vorherrschende ewig erinnernde Kino zeigen, vielleicht ist es aber auch eine rein konzeptionelle Entscheidung, auf moderne Medien und Co. zu verzichten. so oder so ist gut X aber dennoch wie ein Kunstwerk, weil es diese Interpretationen zulässt und dabei nichts von der eigentlichen Arbeit verloren geht.

Einen voyeuristischeren Schub gibt es derweil natürlich auch dadurch, dass die Morde in einem Slasher auch unterhaltsam sind. Wie bereits erwähnt, leidet der Film darunter, dass er seine Gewalt nicht überstilisiert. Und doch hat das Stück einige wirklich lustige und unterhaltsame Momente. Die üblichen Streitereien der Auflösung der Gruppe bleiben bestehen, aber wenn Pearl mit einer bestimmten Person ins Bett geht, hat das etwas äußerst Seltsames und ist immer unterhaltsam.

Mit X Regisseur Ti West trifft ins Schwarze. Ein Film, der dem Slasher richtig gut tut, weil er viel Raum für eigene Gedanken zulässt, seine Charaktere eingespielt und sehr oft sehr kreativ sind. Hier geht nicht immer alles auf, daher ist die Erzählung und Gewaltdarstellung zu gewollt und zu wenig gekonnt. Dafür entschädigen die Schauspieler aber gut und die hinter dem Stück aufgebaute Mythologie fordert den Zuschauer im besten Sinne des Wortes heraus.

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