ZUSAMMENFASSUNG: Dekra zur Verkehrssicherheit: Unfallopfer sind oft jung und männlich | Nachrichten

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BERLIN (dpa-AFX) – Manchmal ist es nur ein Moment der Unachtsamkeit, eine falsche Einschätzung, doch die Folgen eines Verkehrsunfalls können verheerend sein. Tausende Menschen auf der ganzen Welt sterben jedes Jahr bei Verkehrsunfällen, andere werden schwer verletzt. Die Betroffenen sind meist jung. Im am Donnerstag veröffentlichten Verkehrssicherheitsreport 2022 der Dekra-Prüfgesellschaft „Jugendmobilität“ beleuchten Experten die Gefahren im Straßenverkehr mit Blick auf diese Altersgruppe und zeigen, an welchen Stellschrauben für mehr Sicherheit gedreht werden kann.

Für den Bericht analysieren die Autoren Statistiken aus verschiedenen Ländern sowie Forschungsergebnisse und tragen die Einschätzungen internationaler Experten zusammen. Inhaltlich richtet sich das Augenmerk zunächst auf die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Demnach sterben jedes Jahr mehr Menschen zwischen 15 und 29 Jahren bei Verkehrsunfällen als an HIV/AIDS, Malaria oder Tuberkulose Jahre.

Vier zentrale Risikofaktoren

Bei Unfällen junger Menschen spielen laut Dekra in vielen Ländern vier Faktoren eine besondere Rolle: Sie sind überwiegend männlich, sie fahren Auto oder Motorrad, sie fahren zu schnell und sie sind möglicherweise alkoholisiert. Demnach ist die Zahl der bei Unfällen getöteten oder schwer verletzten Menschen zwischen 15 und 24 Jahren in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen. In dieser Altersgruppe wurden im Durchschnitt deutlich mehr Menschen bei Unfällen getötet oder schwer verletzt als in allen anderen.

175.000 Menschen in diesem Alter starben 2019 weltweit im Straßenverkehr, so die Daten des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der University of Washington, auf denen Dekra basiert. Vier von fünf Verkehrstoten in diesem Alter waren Männer. 2019 entfielen weltweit etwa 15 Prozent aller Verkehrstoten auf diese Altersgruppe; keine neueren Daten.

Fast viermal so viele junge Männer wie Frauen unter den Verkehrstoten

Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich in Deutschland, wo nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2019 insgesamt 429 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen. Dabei wurden fast viermal so viele Männer wie Frauen festgestellt an den Verkehrstoten in dieser Altersgruppe.

Mangelnde Fahrpraxis, Selbstüberschätzung oder Fahrzeugbeherrschung – Dekra-Experten listen die Top-Risikofaktoren für Fahranfänger übersichtlich auf. Sie verweisen auch auf eine eingeschränkte Gefahrenwahrnehmung, Ablenkung vom Straßenverkehr, beispielsweise durch die Nutzung von Mobiltelefonen oder das Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. „Das sind alles Problemfelder, die vor allem im Rahmen der Fahrerschulung stärker beachtet werden müssen“, sagt Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil.

„Die Kombination aus wenig Fahrpraxis und Jugend stellt für Fahranfänger eine gefährliche Risikokombination dar: Sie sind überdurchschnittlich häufig Hauptverursacher von Autounfällen“, sagt Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). dpa . Um dieses Risiko zu reduzieren, wurde 2011 das Begleitete Fahren ab 17 Jahren dauerhaft eingeführt. „Und es funktioniert: Jugendliche, die teilnehmen, sind im ersten Jahr des selbstständigen Fahrens um 23 Prozent seltener in Verkehrsunfälle verwickelt als Jugendliche, die nicht teilnehmen.“

Experten: Handlungsbedarf in mehreren Bereichen

Fehlhauer fordert, dass in Fahrschulen neben dem Führen des Fahrzeugs und der Verkehrsordnung auch Fähigkeiten wie Selbstbeherrschung und Selbstbeobachtung sowie das Akzeptieren von Verkehrsregeln stärker vermittelt werden sollten. Als Führerscheininhaber ist man nicht automatisch ein guter Fahrer und hat sich eingearbeitet. Wissen, Trainingspraktiken und bestimmte Prozesse müssen kombiniert werden – „durch kontinuierliches Üben im realen Verkehr“.

Doch nicht nur bei der Fahrausbildung, dem Fahrtraining und der praktischen Ausbildung junger Fahrer besteht Handlungsbedarf. „Um dem langfristig effizient und nachhaltig entgegenzuwirken, bedarf es großer Anstrengungen aller Beteiligten“, sagt Fehlauer. Ansatzpunkte für mehr Sicherheit sind daher auch Fahrzeugtechnik, Straßeninfrastruktur, Gesetzgebung und Verkehrssteuerung.

Da viele junge Menschen vor allem aus Kostengründen ältere Autos fahren, bleibt eine regelmäßige Fahrzeugüberwachung für die Verkehrssicherheit entscheidend, so die Dekra. Der Forderungskatalog des Berichts umfasst unter anderem auch die konsequente Überwachung und Ahndung gefährlichen Fahrverhaltens sowie ein überall geltendes absolutes Alkoholverbot für Fahranfänger.

Das Alter auf 16 senken?

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) schreibt in seinem Berichtsbeitrag, dass die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland bis 2030 um 40 Prozent sinken soll. Wichtig sei auch, das Unfallrisiko für Jugendliche zu senken. Geplantes Begleitetes Fahren soll dazu ab dem 16. Lebensjahr beitragen. „Deshalb haben wir bei der Europäischen Kommission beantragt, im Rahmen eines Modellprojekts das Führerscheinalter auf 16 Jahre senken zu dürfen.“

Auch Eichendorf macht deutlich: „Da nicht alle Jugendlichen das Begleitete Fahren ab 17 Jahren voll ausschöpfen, hat sich der DVR dafür ausgesprochen, die Lernzeit durch die Einführung des Begleiteten Fahrens ab 17 Jahren weiter zu verlängern. eine Vorgabe, die auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung enthalten ist.“/jjk/DP/jha