Zweiter Teil OP Wahlforum für Bezirkswahlen

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Zweiter Teil OP Wahlforum für Bezirkswahlen

Unterstützer, die das OP-Wahlforum auf Computern, Laptops, Tablets und Handys per Livestream verfolgten, schalteten sich am Sonntagnachmittag ebenfalls in die Diskussion zwischen den sechs Kandidaten für die Kreiswahl ein und stellten ihre Fragen an die zwei Frauen und die vier Männer. Sie wollten zum Beispiel Ihre Meinung zur Wiederbelebung der Ohmtalbahn hören und wissen, wie sich der Aufwand rechtfertigen lässt.

Als „bekannter Gegner der Ohmtalbahn“ sagte Thomas Riedel, er habe nichts gegen den Ausbau des ÖPNV, aber man müsse unbedingt überlegen, in welche Projekte investiert werde. Der Liberale äußerte Bedenken hinsichtlich der Langfristigkeit eines solchen Vorhabens, da beispielsweise neue Planfeststellungen vorgenommen werden müssten und Teile der Trasse bereits anders genutzt würden. Sie bevorzugt ein flexibleres Bussystem mit alternativen Energieformen, die leicht verfügbar sind.

Als „großer Fan der Ohmtalbahn“ bezeichnete Marian Zachow hingegen alle Revivals als Erfolgsgeschichten, die Fahrgastzahlen hätten sich teilweise vervierfacht. Die Bahn ist für viele Menschen ein sinnvolles Fortbewegungsmittel. Außerdem wird der wirtschaftliche Sinn ermittelt. Mit einem guten Ergebnis ist es eine gute Investition in die Zukunft und angesichts einer Förderung von bis zu 95 Prozent auch eine lohnende Investition. „Ja, das ist eine gute Idee für die nicht allzu ferne Zukunft“, sagte Carola Carius. Der Grünen-Kandidat hofft, “dass wir lernen, weniger gegen Infrastrukturprojekte vorzugehen, sondern mehr Akzeptanz zu üben”.

OP-Wahlforum am 8. Mai 2022 zur Kreiswahl: Ein Blick hinter die Kulissen.
Quelle: Thorsten Richter

Die Linke fordert eine regionale Straßenbahn für Mittelhessen, sagte Anna Hofmann, die auch die Wiederbelebung der Bahnstrecken begrüße. Gießen und Marburg würden von beiden Seiten mit einer regionalen Straßenbahn verbunden, was die einzige Lösung ist, um den Individualverkehr um 50 Prozent zu reduzieren.

Jens Womelsdorf sagte, dass die Regionalzüge gut angenommen würden und sich gut mit anderen Verkehrsträgern vernetzen ließen. Der Nutzen sei wirtschaftlich schwer zu erfassen, so der Sozialdemokrat, aber es müsse mehr in den ländlichen Raum investiert werden, um ihn attraktiv zu halten. Deshalb plädiert er dafür, einen Euro mehr zu investieren, statt zu fordern, dass es sich aus Marktsicht lohnt.

Sinnvolle Projekte seien Regionalzüge wie die Ohmtalbahn, sagt Dr. Frank Michler von der Bürgerliste Weiterdenken. Die Nord-Süd-Verbindung von Marburg ist sehr gut, aber Ost-West ist sehr unregelmäßig. Wenn das Ergebnis der Untersuchung eine gute Machbarkeit war, war er dafür. Allerdings soll es nicht passieren, dass Menschen aufgrund der 3G-Regelung von der Bahnfahrt ausgeschlossen werden. Da das Geld für Masken, Krieg und Impfung grundsätzlich da ist, soll es auch für den ÖPNV zur Verfügung stehen.

Folgen des Krieges

„Was kann ein Landrat tun, um den Landkreis von den gestiegenen Kriegs- und Inflationskosten zu entlasten?“, fragte ein anderer OP-Leser.

Ein Landrat könne die Menschen zu Investitionen beispielsweise in Wohnungsbau oder andere konkrete Projekte anregen, sagte Carola Carius. Der Kandidat der Grünen fördert die Bildung von Bündnissen zur Umsetzung dieser Art von Aktivitäten.

„Die Inflation zu stoppen, ist schon für die Europäische Zentralbank schwierig“, entgegnete Marian Zachow. Auch die Landräte seien damit überfordert, sagte der Erste Landrat und fügte hinzu, dass der Landkreis bereits durch steigende Baupreise überfordert sei. Aber man muss die sozial Benachteiligten unterstützen und vor den Wahlen ehrlich sagen, dass sich der Landkreis manches nicht mehr so ​​leisten kann wie in den Vorjahren.

„Es gibt Faktoren, an denen wir nicht direkt etwas ändern können, aber wir können versuchen, die regionale Wertschöpfung zu stärken“, sagt Jens Womelsdorf. Der Sozialdemokrat nannte regionale Direktvermarktung, die Weiterentwicklung der Wirtschaftsförderung oder die Unterstützung der Wirtschaft bei Ansiedlungen. So kommen Sie ohne große Neuinvestitionen aus. Und man muss auch die Unterhaltungsstrukturen unabhängiger Sponsoren pflegen.

Auch FDP-Mann Thomas Riedel sieht die Möglichkeiten sehr begrenzt. Es ist wichtig, die Augen offen zu halten und zu versuchen zu helfen, wenn es Probleme gibt, zum Beispiel mit Heiz- oder Stromkosten.

Für Anna Hofmann ist der Einzelfall mittlerweile der Normalfall. Strom kostet 30 Prozent mehr, Hartz-IV-Empfänger bekommen nur 3 Euro mehr im Jahr. Der Bezirk muss etwas tun, zum Beispiel den von der Linken geforderten Sozialfonds einrichten. DR Frank Michler wies darauf hin, dass die Staatshaushalte von der Inflation profitieren, weil sie dann „ihre Defizite sehr elegant aufblähen“ können. Das war die Geldpolitik der EZB der letzten zehn Jahre: Geldmenge ausweiten. Er sieht die große Gefahr einer Beschleunigung der Inflation, die zu einer Währungsreform führen wird, die dann das Bargeld abschafft. “Ich spreche mich sehr dagegen aus.”

Womelsdorf legte später sein Veto ein und stellte fest, dass die Geld- und Bargeldbeträge keine Bezirkspolitik seien. Wohnungspolitik wäre etwas, was der Landkreis tun könnte. Darauf sollte in der Diskussion eingegangen werden.

Von Gianfranco Fain